Aus Respekt vor guten Freunden

Aus Respekt vor guten Freunden

Wie man durch einen Sturm im Wasserglas reitet, zeigt das kleine Ballyhoo, das gerade auf Fan- und Klubebene zwischen Münster und Osnabrück aufgeführt wird. Dabei ist der Auslöser fast so eigenartig wie der Umgang damit.

Wer es noch nicht mitbekommen hatte: Auf einem privat erstellten Spieltagsplakat, das weder vom SC Preußen Münster in Auftrag gegeben wurde noch von diesem vertrieben wird, ist Amaury Bischoff zu sehen. Malte Müller heißt der Designer, der das Plakat privat entworfen hat und das schon seit einigen Jahren tut. Müller hatte gar keine Provokation im Sinn und war in der Vergangenheit mit seinen Plakaten wahrlich nicht negativ aufgefallen. Bischoff als zentrale Figur schien ihm nach eigener Aussage passend, weil der Spieler schon einmal darauf hingewiesen hatte, dass mit ihm noch kein Derby verloren wurde. Derby. Keine Niederlage. Bischoff. Das kann man durchaus verstehen, wenn man guten Willens ist.

Das dazu.

In der Vergangenheit hatte der Klub die Grafiken häufiger für seine Vorberichte verwendet. Das war diesmal nicht anders: Einen Artikel zum Vorverkauf für die beiden Spiele gegen Dresden und Osnabrück hatte der Klub zunächst mit den beiden Plakaten garniert.

So weit, so gut.

Amaury Bischoff ist nun in der Osnabrücker Fanszene vergleichsweise unbeliebt, weil er beim vorletzten Derby im März 2014 ziemlich grob in seinen Gegenspieler Tom Christian Merkens hineingerauscht war. Bischoff sah die Rote Karte, wurde für fünf Partien gesperrt, Merkens absolvierte seitdem kein einziges Spiel mehr und steckt unverändert in der Reha.

Grundsätzlich verständlich, der Ärger. Wäre es ein Osnabrücker gewesen, der einen Preußenspieler derart unglücklich getroffen hätte, sähe die Sache wohl nicht viel anders aus.

Dass Bischoff noch am gleichen Tag eine Entschuldigung bei Merkens anbrachte, dass er in der Szene schlicht zu spät kam und so den Gegenspieler nicht vorsätzlich, aber unglücklich heftig traf – geschenkt. Solche Details spielen naturgemäß keine Rolle, wenn es um den Volkszorn geht.

vflfans_3

 Foto: Gemein. Das dürfen die nicht, die Lila-Weißen. Das verletzt mich.

Birnige Aufregung

Die birnige Aufregung, die sich aber im offiziellen „Empörungs-Treffpunkt“ auf lilaweiss.de am Mittwochnachmittag Bahn brach, ist doch etwas albern. Noch am Mittwochabend wollte daher niemand beim SCP das Thema sonderlich hoch hängen. Aus Sicht des Vereins wenig überraschend: mit dem „anstößigen“ Plakat hatte der SCP ja offiziell nichts zu tun. Allerdings: Auf der Homepage war es nun eben zu sehen. „Störerhaftung“ nennt man so etwas und ja, beim SC Preußen als „Hühnerverein aus der Kackstadt“ schaut man auch genauer hin. Vor allem in Osnabrück.

Bei einer Nicht-Kommentierung durch den Verein hätte es eigentlich bleiben sollen. Aber wie die Dinge nun einmal sind: Kaum ist eine Diskussion öffentlich (und aus dem westline-Forum schwappte das Thema – Selbstanzeige! – auch in den redaktionellen Bereich), schon ist das Thema auf dem Tisch und damit sind die Rahmenbedingungen verändert.

Am Ende sah sich der Verein sogar zu einer offiziellen Stellungnahme genötigt. Tenor: An einer Provokation sei dem Klub nicht gelegen, man werde das Plakat nicht mehr verwenden und natürlich habe auch der Grafiker nichts mit dem Verein zu tun und das Plakat ergo auch nicht.

Das ist ein bisschen sehr viel Reaktion auf die sehr lokale Erregung.

NOZ.

Schon am Mittwochabend hatte Harald Pistorius in der Neuen Osnabrücker Zeitung das Thema ebenfalls öffentlich gemacht. Mit einer fast herablassend-arroganten  Überschrift „Der verschwundene Coverboy“ bediente er die Osnabrücker Erregung. Coverboy. Das klingt auch so ein bisschen schmutzig und schmierig. Kein guter Stil der NOZ.

Offenbar wurden durch die Erregung aus einem knappen Dutzend schlecht gelaunter VfL-Fans im lilaweiss-Treffpunkt übergangslos sagenhafte „hunderte Vfl-Fans“. Beim SCP gingen allerdings nur eine Handvoll Beschwerde-Mails ein, dank kopierfähiger Vorlage im Vfl-Treffpunkt.

Ärgerlicher noch: Pistorius drängte sogar den Preußen Amaury Bischoff in eine fast aktive Rolle. „Ausgerechnet“ der Mann, der Merkens mit einem „bösen Foul so schwer verletzte“, „trommelte in Triumphpose“ für das Derby, schrieb er. So liest es sich, als habe sich Bischoff extra in Pose geworfen, um in irgendeiner Form aktiv für das Derby zu werben. Was ja nun blanker Unfug ist. Mutmaßlich wusste Bischoff nicht einmal, wie plötzlich er ein „Coverboy“ wurde.

Mittlerweile verschwand die etwas eigenartige Überschrift mit dem „Coverboy“ zugunsten einer „Erfolgsmeldung“ für die VfL-Fans.

 Preußenadler abschießen..?

Das alles hat aber noch andere Facetten. Zunächst sei einmal klargestellt, dass Niveauklagen ausgerechnet aus Osnabrücker Ecke seltsam verwirrt klingen. Als hätten nicht die Osnabrücker Fans vor einem Jahr noch den Preußenadler zum Abschuss freigegeben… Zielvisier auf elf Adlerwappen inklusive.

Als die BVB-Fans vor Jahren etwas Ähnliches mal mit Dietmar Hopp veranstalteten, war die Aufregung groß – aber mit einem Adler kann man’s ja machen.

Die Osnabrücker Choreo im Derby im Oktober 2013 - natürlich mindestens ebenso geschmackssicher und elegant.

Die Osnabrücker Choreo im Derby im Oktober 2013 – natürlich mindestens ebenso geschmackssicher und elegant.

Und so ganz nebenbei muss man einmal die Frage aufwerfen, wie berechtigt der ganze Protest überhaupt ist. Amaury Bischoff hat einen Gegenspieler gefoult, er wurde dafür bestraft und ist damit aus dem Schneider. Dass das Foul für den Gegenspieler üble Folgen hatte, ist außerordentlich bedauerlich (das dürfte wohl völlig unstrittig sein). Aber weder war Bischoff der erste „Übeltäter“ in der Geschichte des Fußballs noch ergibt sich aus seinem Foulspiel ein „Gesichtsverbot“ für alle Zeit. Darf Bischoff jetzt nie mehr in Verbindung mit einem Derby gezeigt werden?

Die Osnabrücker werden es einfach hinnehmen müssen, dass Bischoff demnächst vor ihren Augen spielen wird. Vielleicht trifft er ja auch. Vielleicht sollte er dann aus Respekt nicht jubeln, oder was? Sollte Bischoff gar das nächste Derby mit dem Siegtor entscheiden – dürfte er dann gezeigt werden? Wäre das zu viel Provokation für zarte Osnabrücker Seelen? Dürfte das Foto beim Derby darauf gezeigt werden?

Dass der Verein SC Preußen sich genötigt fühlt, sich von dem Plakat und dessen Designer zu distanzieren, ist ein bisschen viel Entgegenkommen.  Der Verein hatte das Plakat lediglich einmal beiläufig in einem Vorbericht verwendet – und das allein soll nun diese große Reaktion rechtfertigen? „Respekt vor den Fans des VfL und unseren Freunden im Verein“… schreibt der SCP. Na, das werden die Fans des SCP sicher gerne lesen. Freunde des VfL, bittesehr, da steht’s.

Was ist denn mit „Proissn Münstah“?

Muss eigentlich jeder Verein ab sofort prüfen, welche empfindsamen Gemüter er möglicherweise verletzt durch die Abbildung bestimmter Spieler? Was ist mit den Sportskameraden Siegert, Zenga, Schöneberg oder Piossek? Das sind alles Ex-Osnabrücker – zwar ohne „Foulgeschichte“, aber „Schwalbenkönige/Schauspieler/Nichtsnutze“ sind sie ja alle. Wo zieht man jetzt eine Grenze?

In Freundschaft sind nicht alle Spieler vom VfL geschieden. Dürfte man jetzt deren Gesicht auf Plakaten unterbringen?

Und was ist eigentlich mit diesem Rap-Video von SanCho P & ketZer? Der SC Preußen spielt den Refrain des Songs „Proissn Münstah“ brav zu jedem Spiel – doch das dazugehörige Video darf nicht im Stadion gezeigt werden, weil darin ein VfL-Fan veräppelt wird. Damals war die NOZ auch schon schwer angeschlagen, weil der VfL „verspottet“ wurde! Und auch damals musste sich der SCP eiligst von dem Video „distanzieren“. Herrjeh, man kommt aus dem Kopfschütteln nicht heraus.

Das war ja auch so ein Mega-Aufreger, der an Peinlichkeit schwer zu toppen war. Darf man jetzt eigentlich zum Derby diesen Song spielen? Oder verschwindet der nun auch aus Respekt vor den Freunden des VfL?

Nein. Das ist eine irgendwie alberne Geschichte – vielleicht nicht einmal der Anlass selbst. Aber die Art, wie sich diese Diskussion entwickelt hat.

vflfans_2

 

Foto: Find ich auch nicht gut, wie pauschal die Osnabrücker das da so sagen… Gemein. 

 

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Aus Respekt vor guten Freunden

  1. Stimme dir da in allen Punkten zu! Unser Verein muss sich vor gegnerischen Fans nicht verstecken oder wegen einem Plakat verantworten. Sollen sich die Osnasen ruhig aufregen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s