„Euphorie wegen Designstudie“ – eine Antwort

„Euphorie wegen Designstudie“ – eine Antwort

Auf preussen-forum.de ist am Dienstag ein interessanter Text erschienen. Es geht um das Strukturkonzept der Stadtverwaltung für das Preußenstadion bzw. das Areal um das Stadion herum. Der Autor will ein bisschen den „Spielverderber“ geben und wirft ein paar Fragen über das Konzept auf und stellt ein paar grundlegende Gedanken über das Stadion vor. Interessant genug für ein paar Widerworte 😉

Here goes…

In dem Text „Euphorie wegen Designstudie“ geht es zunächst um eine Art ästhetische Komponente. Während ringsherum neue Stadien entstehen, verbreitet das Preußenstadion an vielen Stellen noch eine gewisse Patina, andere würde sagen: Baufälligkeit.

In der heutigen Zeit werden leider viele Arenen nach dem gleichen Muster gebaut. Ich schäme mich nicht für unser Stadion. Ich sehe den SCP lieber in unserer Antik-Arena, als in einer charakterlosen Betonbaute.

Diese Haltung lässt sich grundsätzlich nachvollziehen – es mag da draußen Traditionalisten geben, die auf ein neues Stadion gerne verzichten mögen. Und der Hinweis auf eine gewisse Einförmigkeit neuer Stadien ist ja völlig richtig. Auch wenn man ja streng genommen sagen müsste, dass diese gerne erwähnte „Antik-Arena“ schon seit 2008 nicht mehr existiert… aber das nur am Rande und für Puristen.

Aber das Argument geht ohnehin völlig am Thema vorbei. In den Planungen um ein neues Stadion geht es ja gar nicht um persönliche Vorlieben und Romantik. Es geht nicht um Betonbauten oder ein klassisches Preußenstadion.

Es geht um eine einfache Rechtslage und die heute real existierende Unvereinbarkeit zwischen dem Stadionbetrieb und dem Lärmschutz.

Der SC Preußen kann sich wie die Stadt gar nicht den Luxus erlauben, über Vorlieben von Stadionbesuchern zu philosophieren. Das Stadion in der heutigen Form steht rechtlich auf wackeligen Füßen – und muss verändert werden. Punkt.

Die Frage, ob sich jemand für das Stadion „schämt“, hat also gar nichts zu tun mit den vorliegenden Sachzwängen.

Und es ist ja nicht so, dass Fans, die es gemütlicher wollen, bei uns ausgeschlossen werden: Die Tribüne entspricht den heutigen Standards des „modernen” Fußballs.

Auch diese These dürfte nicht haltbar sein. Die Tribüne fasst nicht einmal 3.000 Zuschauer und könnte damit nicht ansatzweise dem „Gemütlichkeits-Bedürfnis“ aller interessierten Zuschauer genügen. Zumal das schlichte wirtschaftliche Missverhältnis zwischen Stehplätzen und Sitzplätzen den SCP automatisch in einen Nachteil versetzt.

Nun könnte man sagen, dass dieses Argument nur relevant ist, wenn man vorraussetzt, dass der SC Preußen sich höherklassig orientieren will. Das stimmt.

Wer der Meinung ist, sein Klub müsse nicht 2. Liga spielen, kann an dieser Stelle des Textes getrost das Lesen einstellen.

Sicher ist nämlich: Selbst die 3. Liga ist für den SC Preußen in der heutigen Form nicht automatisch zu halten – das hat jüngst der Präsident auf der JHV deutlich formuliert. Und damit dürfte er richtig liegen. Die ständig wachsenden Etats sind ja nur Ausdruck des Selbstverständnisses des Klubs, der Ambitionen hegt (wenngleich auch selten nachhaltig umsetzt, aber das ist ein anderes Thema).

Fiele hier der Anspruch weg, fiele auch das Interesse von Sponsoren weg – was sich sehr deutlich erkennen lässt an den betulichen 90er Jahren oder den mäßig erfolgreichen Jahren in der damaligen Regionalliga Nord bis 2006.

Den eigenen Anspruch zu verneinen, hieße hier ehrlicherweise auch, sich mittelfristig von der 3. Liga zu verabschieden – oder wenigstens einen Abstieg in Kauf zu nehmen.

Die Frage, die sich mir stellt, ist also: Wie kann man den Charakter des Stadions beibehalten, es aber dennoch so verändern, dass es den Zeichen der Zeit entspricht und auch für höhere Aufgaben brauchbar ist?

Da kommen wir wieder ins Gespräch 😉

Eine Veränderung könnte der Bau einer neuen Westtribüne sein. Das würde neue Sitzplätze und mehr Zuschauereinnahmen bringen. Mit einer neuen Westtribüne könnte die Kapazität des Preußenstadions auf fast 20.000 angehoben werden. […]

Mit einer neuen Westtribüne würde das Stadion eigentlich alles haben: Genügend Sitzplätze, viele Stehplätze, zum Teil überdachte Stehplätze. Außerdem könnte man dann noch über eine Überdachung der Ostkurve nachdenken. So hätte man sich ein bisschen den Ansprüchen der Zeit genähert und trotzdem das besondere am Stadion erhalten.

Das ist im Grunde „Eulen nach Athen tragen“. Oder „offene Türen einrennen“.

Denn genau darum geht es ja in diesem ganzen Strukturkonzept. Eine Westtribüne soll und wird der Start sein. Das ist doch überhaupt der Ausgangspunkt aller Überlegungen und auch der Gutachten gewesen, die in den vergangenen zwei Jahren stattgefunden haben.

Schlichtweg unverständlich scheint mir aber die Theorie, den Charme eines alten Stadions mit dem Bau einer Betontribüne in der West und der bloßen Überdachung der Ost-„Kurve“ erhalten zu wollen. Das passt ja nun nicht mehr zusammen. Was wäre das für ein Stadion? Eine wunderliche Kiste mit zwei neuen Tribünen, einer wettergeschützten Gegengerade und einem Wellblech über der Ostkurve?

Wo ist da der Flair des alten Preußenstadions, das noch eingangs beschworen wurde?

Bis die Stadt also wirklich mitspielt und etwas ernsthaftes geplant wird, wird noch viel Zeit vergehen. Die Politik muss mitspielen. Es darf jetzt im Vorfeld keine Klagen geben. Die Finanzierung muss gesichert sein und der SCP muss eine Miete für das Stadion auch stemmen können. Dieses Konzept stellt den ersten Schritt dar und bereitet den Weg, später ohne Klagen das Ganze umsetzen zu können. Doch ob die Stadt tatsächlich etwas finanziert, steht völlig in den Sternen.

Das verzerrt jetzt die Realität. Die „Politik“ muss zunächst gar nichts mehr tun. Sie hat ihren Auftrag bereits erledigt. Alle Parteien haben sich grundsätzlich zum Ausbau des Stadions positiv geäußert und diese Haltung durch einen klaren Auftrag an die Verwaltung unterstützt.

Praktisch alle Parteien, sogar „Die Linke“, haben sich damit öffentlich „committed“, wie man so schön sagt.

Und warum sollte es keine Klagen geben dürfen? Dafür ist das Bebauungsplanverfahren da. Auf diese Weise wird Rechtssicherheit nun einmal erlangt. Anwohner können sich mit dem Thema beschäftigen, ihre Einwände formulieren, die Stadt muss sie bewerten. Kommt sie zu anderen Auffassungen, muss am Ende eben ein Gericht entscheiden. Das mag zeitraubend sein, aber ist am Ende mit einem Ergebnis versehen.

Und das Thema Finanzierung? Die Idee ist doch hinlänglich bekannt – auch der Politik. Die Stadt nimmt einen (günstigen) kommunalen Kredit auf und setzt damit die Veränderungen im Preußenstadion um (in welchem Rahmen dann auch immer). Und die Kreditzahlungen übernimmt samt Abschreibungskosten der SC Preußen als Mietzahlungen an die Stadt. Ein vernünftiger Weg mit überschaubaren Risiken. „Völlig in den Sternen“ steht hier sicher nichts.

Was ist, wenn eines Tages dieses Konzept umgesetzt wird, und der SCP erfolglos ist? Was ist, wenn der SCP in der dritten Liga eines Tages mal wieder gegen den Abstieg spielt?

Ja, was dann? Zunächst impliziert diese Frage, dass sich der SC Preußen da in ein unüberschaubares finanzielles Vorhaben stürzt. Aber genau das wird nicht geschehen. Der Verein hat mehrfach deutlich formuliert, sich nicht in solche Unwägbarkeiten zu begeben. Er wird nur finanzieren, was er stemmen kann – auch in der 3. Liga und auch ohne einen Aufstieg. Dann fiele eben der Umbau zunächst weniger umfangreich aus.

Zudem: Es ist Sache der vertraglichen Regelungen zwischen Stadt und Verein, wie ggf. sogar ein möglicher Abstieg aus der 3. Liga abgefedert werden könnte. Stichwort: Mietzahlungen abhängig von der Spielklasse. Das ist ja nun kein Hexenwerk.

In Regensburg wird es ein neues Stadion geben. Viele Millionen Euro werden investiert. Momentan steht das Regensburger Team abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz der dritten Liga. Ein Abstieg in die vierte Liga wird finanziell sicherlich schwierig.

Für wen? Das Stadion in Regensburg wird von der Stadt errichtet, nicht vom Verein. Der SSV Jahn ist lediglich Mieter und wird angepasste Zahlungen für die Nutzung leisten. Sollte er absteigen, fallen diese dann ggf. geringer aus.

Weitere Beispiele gibt es zuhauf: Bielefeld, Duisburg, Aachen. Überall wurde ein neues Stadion gebaut, am Ende wurden Kosten völlig falsch berechnet, oder es setzte plötzlich ein sportlicher Niedergang ein.

Das ist ein Vergleich, der im Grunde alles in einen Topf wirft – dabei sind die Voraussetzungen überall völlig unterschiedlich und zudem nicht mit dem SC Preußen vergleichbar. In allen drei Städten wurden im Profi-Fußball Arenen für den Profi-Fußball errichtet und die Belastungen nicht einem Abstieg angepasst. Selbstüberschätzung und eine falsche Kalkulation haben die Vereine in Schwierigkeiten gebracht. Wer das Auswärtsspiel der Preußen bei der Alemannia in Aachen vor deren Abstieg besucht hat, konnte sich davon überzeugen. Der Alemannia war es nicht gelungen, ihre Kostenstruktur an die 3. Liga anzupassen. Die Hostessen an jeder Tür waren äußeres Bild für die Probleme.

Und nur ganz nebenbei sei bemerkt, dass keines der drei genannten Stadion auch nur ansatzweise zu vergleichen wäre mit den Planungen für ein künftiges, vollsaniertes Preußenstadion. Da verbietet sich der Vergleich schon von Beginn an.

Deshalb würde ich es bevorzugen, wenn man Schritt für Schritt vorgehen würde. St. Pauli zum Beispiel hat nach und nach die Tribünen modernisiert. Immer wenn Geld da war, wurde sich um eine weitere Tribüne gekümmert. So verhindert man, in finanzielle Notlagen zu kommen. Bei uns könnte man sich also erst mal um eine neue Westtribüne kümmern.

Ja, darum geht es doch in der ganzen Diskussion. Allerdings ist jetzt nicht ganz verständlich, wie diese Argumentation zusammenpasst mit dem Ansatz des Artikels überhaupt? Da geht es doch um die Kritik an seelenlosen, austauschbaren Betonbauten. Aber jetzt soll also genau so ein Umbau eben doch erfolgen, nur langsam?

Was denn nun? Ein altes Preußenstadion, das sein in die Jahre gekommenes Flair erhält? Oder ein Stadion, das über mehrere Jahre neue Betontribünen erhält?

Ein Wort noch:

Ihr kennt unsere Stadt, und ihr kennt all die Versprechungen die gemacht wurden. Am Ende waren es alles nur plumpe Phrasen.

Das ist ein Seufzer, der wahrlich immer wieder zu hören ist. Und ganz von der Hand zu weisen ist er nicht.

Aber ganz gerecht ist er nun auch nicht. Es gab immer wieder gute oder weniger gute Gründe – aber immerhin Gründe!, warum Planungen nicht funktioniert haben.

Dass ein Oberbürgermeister im Aufstiegs-Jubel ein neues Stadion verspricht? Bittesehr! Das muss doch dem Letzten klar sein, dass dies keine belastbare Aussage ist. Es hat noch kein Oberbürgermeister ein Stadion in Handarbeit errichtet.

Und alles der Politik in die Schuhe zu schieben, ist zumindest zweifelhaft: Münsters Politiker im Rat werden von uns gewählt. Sie stehen für jeweils eine bestimmte (Klientel-)Politik. Das kann man ärgerlich finden, aber da sie nun einmal demokratisch gewählt sind, lässt sich die Vermutung nicht ganz vom Tisch wischen, dass sie auch Politik in Übereinstimmung mit ihren Wählern machen.

Und dass ein Preußenstadion für viele Wähler keine Priorität hat, ist möglicherweise unangenehm, aber eben auch Teil der Wahrheit.

Und manchmal war der Wille da, aber die Umsetzung zu komplex. Beispiel ECE-Preußenpark. Das Drama um diese Mega-Pleite hat ja ganz allein für den Stillstand in den vergangenen 20 Jahren (!) gesorgt. Mitte der 90er Jahre begannen die Planungen für den Preußenpark, erst Ende 2001 war das Thema wirklich mit dem letzten Einspruch beendet, dann begann die Suche nach Ersatzstandorten, dann die mühseligen Planungen auf Grundlage des extrem einschneidenden OVG-Urteils… schon der Tribünenbau 2008 war heikel genug.

20 Jahre sind draufgegangen, weil das Preußenpark-Projekt in dieser Zeit alles gebunden hat – das ist Teil der Geschichte.

Das hat nicht immer alles mit „plumpen Phrasen“ zu tun. Die Sache ist komplexer.

Den Spaß am Fußball, die Leidenschaft zum SCP, und all diese Dinge haben wir in unserem altehrwürdigen Preußenstadion erlebt.

Und diese Leidenschaft wäre nichts wert, wenn sie nur an ein paar schräge Wellenbrecher und wackelige Ränge geknüpft wäre.

Es wird auch künftig um Jubel gehen oder um Enttäuschungen. Wer seine Leidenschaft mit dem Verein gelebt hat, wird dies wohl auch in Zukunft tun können. Münster wäre nicht der erste Verein, dessen Fans es geschafft haben, sich auch in einem neuen Stadion einzuleben…

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