Hartwig Schultheiß, das Preußenstadion und die Politik…

Seit seiner Vorstellung vor einigen Wochen sorgt das Strukturkonzept der Verwaltung für viel Interesse. Das Konzept skizziert den Umfang eines künftigen „Sportparks Berg Fidel“ und das erste, was man wissen sollte, ist: Nichts aus dem Strukturkonzept muss zwingend (so oder ähnlich) gebaut werden. Das Konzept ist lediglich Grundlage für den neuen Bebauungsplan und soll den Umfang dessen zeigen, was grundsätzlich am Standort entstehen darf und kann.

Und so mühte sich der Verein in den vergangenen Wochen durchaus, die ersten euphorischen Reaktionen auf das jüngst veröffentlichte erste Stadionfoto zu relativieren. Zuletzt erledigte das Sportvorstand Carsten Gockel, der das Bild anlässlich eines SPD-Bürgerdialogs lediglich eine „Designstudie“ nannte. Kurzum: Niemand will den Eindruck erwecken, irgendeine Planung greife dem Verfahren vor. Niemand soll verschreckt werden.

Das Strukturkonzept zeigt aber sehr wohl die Möglichkeiten am Standort Hammer Straße. Eine verbesserte Parkplatzsituation, die deutliche Verbesserung für den Verein durch zwei zusätzliche Trainingsfelder (die vor allem den Nachwuchsteams zur Verfügung stehen) und natürlich das Stadion als neues Zentrum des Sportparks. Vollüberdacht mit geschlossenen Rückwänden – und damit einem erheblich verbessertem Lärmschutz.

Denn das sind die beiden zentralen Punkte in der ganzen Debatte: Lärmemission und Verkehrsbelastung.

Strukturkonzept Stadion. Quelle: Stadt Münster

Strukturkonzept Stadion. Quelle: Stadt Münster

So weit, so gut.

Vergleichsweise spannend ist ein Aspekt, der heute noch gar nicht beachtet wird, der aber durchaus eine gewisse Relevanz hat. Das ganze Strukturkonzept liegt im Verantwortungsbereich von Stadtdirektor Hartwig Schultheiß. Und nicht etwa im Dezernat für Bildung, Familie, Jugend, Kultur und Sport, wo man es fachlich ja korrekt(er) platziert wäre.

Eine Überraschung ist das nicht: Unter Hartwig Schultheiß‘ Regie wurde das Thema Stadion in den vergangenen Jahren praktisch auf Chef-Ebene behandelt. Der Stadtdirektor pflegt einen engen Austausch mit dem Verein und gilt als Freund des Klubs – was in allen Planungen wahrlich kein unwichtiger Punkt ist.

Allerdings hat sich Schultheiß in den vergangen Jahren immer wieder heftiger Kritik aus Reihen der SPD oder der Linken erwehren müssen. Zuletzt im März 2013 gab es mächtig Ärger, weil die Stadtverwaltung nach Ansicht der SPD einen höheren Betrag für Sanierungsmaßnahmen in eine Beschlussvorlage „gemogelt“ hatte, als eigentlich besprochen war. Überhaupt war der erste Entwurf der Vorlage auch über alle Parteigrenzen hinweg verrissen worden – als zu kurzfristig, zu teuer, mit zu vielen offenen Fragen. Verantwortlich auf dem Papier: Hartwig Schultheiß.

Immer wieder Streit

Eher wenig mit Preußen zu tun haben verschiedene andere Themen: 2011 sorgte ein Anbau an Schultheiß‘ Privathaus für Unruhe. Der Stadtdirektor hatte den bekannten münsterischen Architekten Rainer M. Kresing damit beauftragt und musste sich dafür Kritik vor allem der heutigen Ratsmehrheit gefallen lassen. Ein echter Aufreger wurde es am Ende nicht, auch weil rechtlich überhaupt nichts einzuwenden war gegen die Auftragsvergabe.

Und erst Ende Oktober 2014 stand Schultheiß erneut im Mittelpunkt des Interesses. Wegen des Verdachts der Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung waren auch die Privaträume des Stadtdirektors durchsucht worden. Bislang wurden aber keinerlei nachteilige Ergebnisse bekannt – dennoch dürften diese Themen vor allem den Dauerkritikern aus SPD, Linken und auch Grünen erinnerlich bleiben, zumal sich die genannten Parteien in den vergangenen Jahren immer wieder über städtische Vorlagen und Planungen gestritten hatten.

Und deswegen wird es kritisch. Denn Ende 2016, in zwei Jahren, endet die Amtszeit von Schultheiß und die beiden genannten Parteien haben bereits wissen lassen, dass der Mann „unwählbar“ sei. Bei dieser Stimmungslage ist kaum anzunehmen, dass der Stadtdirektor die Umsetzung irgendeiner Baumaßnahme im Stadion noch in Amt und Würden erleben wird.

Angesichts der ziemlich stabilen Mehrheit von Rot-Rot-Grün im Rat dürfte damit auch klar sein, dass der künftige Stadtdirektor nicht ohne Zustimmung eben dieser Fraktionen gewählt werden kann. Welche Konsequenzen das für den künftigen Umgang der Stadt mit dem Verein hat – das ist die spannende Frage.

Sicher dürfte sein, dass der Verein dann einen gewichtigen Fürsprecher in der Stadt verlieren wird. Und Preußenfans wissen, wie schwierig das Verhältnis von Stadt und Klub gelegentlich sein kann.

Für das anstehende Bebauungsplanverfahren dürfte diese Personalie noch keinen negativen Einfluss haben. Das Verfahren sollte bis Ende 2016 ja hoffentlich abgeschlossen sein. Wenn es indes um die konkrete Umsetzung irgendwelcher Pläne geht, muss sich der SCP auf einen eher rot-grün „gefärbten“ Ansprechpartner bei der Stadt einstellen. Der (oder die) muss zwar Ratsbeschlüsse umsetzen, aber wenn es um das Weiterdenken geht, um eine Zukunftsvision, dann könnte man auf den Verdacht kommen, dass die künftige Stadtverwaltung die Dinge anders angeht als bisher.

 

 

 

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