WDR mag nimmer sonntags senden…

WDR mag nimmer sonntags senden…

Es scheint, als sei der Sonntagnachmittag im WDR fest an Flüsse und Bächlein vergeben. Am Sonntag, als Bielefeld in Münster zum Derby anreiste, sollten die WDR-Zuschauer eigentlich irgendetwas Lauschiges über die „Nahe“ sehen. Das wurde bekanntlich gekippt für das westfälische Live-Spiel. Nun kommt Duisburg und der ganze Zinnober beginnt von vorne…

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Der Torwart

Der Torwart

„Ruhmreich“ ist ja etwas, worauf sich der SC Preußen Münster (oder zumindest seine Fans) gerne zurückziehen. Das muss auch so sein, denn die eigene Geschichte prägt ja das Hier und Jetzt eines Vereins. „Ruhmreich“ hat aber im Fall der Adlerträger immer auch etwas bitter Melancholisches. Denn an den Ruhm von einst ist heute wahrlich wenig anzuknüpfen. Die Zeiten, in denen die Preußen sich Woche für Woche mit den großen Westklubs aus Schalke, Dortmund, Duisburg – ja sogar Leverkusen oder Köln maßen, sind wohl unwiderruflich vorbei.

„Ruhmreich“: Das ist aber auch ein Wort, das man sich erst verdienen muss. Das durch die Männer geprägt wurde, die einst das Trikot mit dem Adler trugen. In einer anderen Zeit, in einer fast anderen Welt. Ohne Pyro, ohne Champions League, ohne das große Bohei.

Und einer jener Männer ist am 2. Oktober 2014 gestorben. Herbert Eiteljörge.

Die Todesanzeige.

Die Todesanzeige.

Die Todesanzeige, die heute am 10. Oktober 2014 in den beiden Zeitungen Münsters erschien, berührt mich durchaus. Das Foto, das darin verwendet wurde, habe ich aufgenommen und es ist eine Ehre, dass die Familie dieses Bild für würdig hielt, den Mann zu ehren.

Ich habe Herbert Eiteljörge nicht wirklich gut gekannt. Aber ich habe ihn vor ziemlich genau acht Jahren zuletzt getroffen, damals am 12. Oktober 2006. Ich sprach mit ihm für mein damaliges Buch über die Preußen (Streifzüge durch 100 Jahre Preußen Münster) und schrieb danach einen Text, der auch im Buch erschien. Und bei diesem Anlass machte ich draußen in seinem Garten, gar nicht weit vom Preußenstadion entfernt, auch das Foto mit dem Ball, den Herbert Eiteljörge 1962 bei einem Freundschaftsspiel gegen die Nationalmannschaft Chiles hatte mitgehen lassen.

Eiteljörge habe ich an jenem Tag als ausgesprochen freundlichen Mann kennengelernt, der sich von Rückschlägen nicht zurückwerfen ließ.

Aus aktuellen Anlass stelle ich meinen damaligen Text hier noch einmal online – und spreche der Familie mein Beileid aus.

eiteljoerge_buchHerbert Eiteljörge: Der Torwart

Ein echter Straßenfußballer sei er, sagt Herbert Eiteljörge über sich. Im Pott, beim Duisburger SV, begann seine Karriere. Bis die Preußen im Frühsommer 1955 nachfragten, ob er sich einen Wechsel nach Münster vorstellen könne. „Ich hatte noch ein Angebot von Hannover 96“, erinnert sich der Torwart. Er sah sich in Hannover um, es gefiel ihm aber nicht so gut. „Also bin ich zum SCP“, so Eiteljörge. „Gott sei Dank“, ergänzt er mit einem Lächeln.

Der Wechsel zum SCP sorgte durchaus für Aufsehen. „Als Amateurfußballer durften wir das Wort Geld nicht einmal in den Mund nehmen.“ 

Es wundert Eiteljörge daher auch im Rückblick nicht, dass Bundestrainer Sepp Herberger ihn aus dem Olympiakader für Melbourne 1956 strich. Dabei hätte er durchaus dabei sein können, immerhin war er für die Westdeutsche Auswahlmannschaft immer am Ball.

An die 50er Jahre in Münster hat Eiteljörge keine besonderen Erinnerungen. „Das ging so dahin“, die Preußen spielten immer ordentlich mit. Den großen Druck gab es damals noch nicht, so Eiteljörge.

Als Preußens Trainer Richard Schneider seinen Spielern 1962 mitteilte, dass die Preußen die Chance hätten, Sparringspartner der südamerikanischen Nationalteams zu werden, hatten die nur eines im Sinn: „Der spinnt, haben wir gesagt“, meint Eiteljörge. Nur wenige Wochen später saßen er und seine Mitspieler jedoch im Flieger nach Buenos Aires und maßen sich dort mit den Nationalmannschaften von Argentinien, Chile und Uruguay. „Das war toll“, so Eiteljörge. „Die Stadien waren voll. Wir wohnten mit den argentinischen Spielern im gleichen Hotel.“ 

An ausgefallene Frühstücksmethoden kann sich der Preußen-Torwart gut erinnern. „Bei den Argentiniern gab es nach dem Training im Stadion gegrillte Steaks. Das war ja eher ungewöhnlich…“

Vier Wochen waren die Preußen in Südamerika unterwegs. Eiteljörge reiste einige Tage eher zurück, weil er mit der Westdeutschen Auswahl gleich wieder nach Asien weiter musste. „Ich konnte zuhause gerade noch meine Wäsche abgeben und musste dann gleich weiter.“ Dabei war er froh, heile in Münster angekommen zu sein. Mit einem Turbinenschaden musste seine Maschine auf dem Rückweg aus Südamerika im Senegal notlanden.

An die Auftritte beim Sommerturnier in New York denkt er gerne zurück. „New York war einmalig. Die Stimmung war aber natürlich nicht zu vergleichen mit Südamerika“, sagt er. An den kurzen Abstecher nach Toronto zum Freundschaftsspiel gegen Toronto Italia denkt er durchaus gern zurück. „100 Dollar gab es als Siegprämie für jeden von uns. Die haben wir gleich am Abend auf den Kopf gehauen“, grinst Eiteljörge. 

Mit seiner Frau düste er einige Jahre später nch einmal nach New York. „Soll denn nur mein Mann die ganze Welt sehen?“, fragt Irmlind Eiteljörge lachend.

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Zur Person

Herbert Eiteljörge begann seine Karriere 1953 beim Duisburger SV. 1955 wechselte er zu den Preußen und war dort bis 1969 ein Fixpunkt im Team. Er absolvierte fast die gesamte (und einzige) Bundesliga-Saison als Stammtorhüter der Preußen. Insgesamt machte er weit über 240 Spiele im Adler-Dress. Die 50er und 60er Jahre prägte er als Mitglied der Preußen-Teams entscheidend mit.

Im November 2014 wäre er 80 Jahre alt geworden.

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