Fanprojekt vs. Fanbeirat – und das passierte seither…

Der Pulverdampf liegt immer noch in der Luft, aber immerhin ist schon wieder ein bisschen Himmel zu sehen. Nach ein paar Tagen teilweise wüster Debatten (öffentlich, via Facebook und Web oder hinter den Kulissen) gibt es so etwas wie ermutigende Zeichen. Den Anfang machte das Fanprojekt.

Am Montag meldete sich das Fanprojekt noch einmal zu Wort und sprach aus, was eigentlich längst klar war.

In den vergangenen Jahren waren wir immer um Ausgleich, Kommunikation und ein friedliches Miteinander bemüht. Die Entwicklungen der letzten Tage sind nicht in unserem Sinne und weder dem Ansehen des Fanprojektes noch der vielen Fangruppen noch des SC Preußen Münster zuträglich.

Und das stimmt: Den Schritt in die Öffentlichkeit hätte das Fanprojekt besser nicht (so) gesucht. Jetzt liegt der ganze Müll eben auf der Straße.

Immerhin: Das Fanprojekt bittet am 1. Oktober zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Neuanmeldungen nimmt das Fanprojekt jetzt (wieder) kommentarlos und ohne besondere „Prüfung“ entgegen – und soweit bekannt, haben mehrere Dutzend Neumitglieder das in den vergangenen Tagen genutzt. Auch die eher bedrohliche Aufforderung an die Mitglieder, die Teil der Arbeitsgruppe Fanbeirat sind, sich zu erklären, ist vom Tisch.

Jetzt gilt: Offene Türen für alle und schauen, was am 1. Oktober passiert. Gut dem Ding. Was auch immer geschieht.

Wenn jetzt noch einzelne Vorstandsmitglieder des Fanprojekts aufhören würden, persönliche Animositäten via Facebook weiterzutreiben, wäre der Sache auch gedient.

Fanbeirat: Öffentlich werden!

Aber jetzt ist meiner Meinung nach auch der Fanbeirat gefordert. In den vergangenen Tagen wurde offensichtlich, dass es mit der eigentlich erhofften Transparenz nicht ganz so weit ist wie gedacht. Und tatsächlich haben die „Gründungsmitglieder“ der Fanbeirat-Initiative in den vergangenen zwei Jahren vor allem hinter verschlossenen Türen gearbeitet.

Das war verständlich auf der einen Seite: Im großen Kreis lässt sich schlicht nicht arbeiten. Eine Selbstbeschränkung auf einen Kern von aktiven Mitdenkern war wichtig, um Ziele zu erreichen. Das Projekt sollte nicht schon in der Wachstumsphase zerredet werden.

Aber über die Arbeit im Hintergrund haben die Beteiligten offensichtlich aus den Augen verloren, dass ihre Arbeit „draußen“ eben nicht ganz so transparent gewesen ist. Innerhalb der beteiligten Gruppen mag der Informationsfluss funktioniert haben – nach außen sicher nicht. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann, dass sich der Fanbeirat transparent macht und die Mitglieder auch öffentlich Position beziehen. Im westline-Forum war zu lesen, wie überraschend wenig manche Fans von den Mitgliedern der Initiative wissen – und so wie im Forum dürfte es eben vielen interessierten Fans gehen.

Ein paar Mitglieder sind in der Vergangenheit „öffentlich“ geworden. Beim Versuch, eine Satzungsänderung des SC Preußen Münster vorzunehmen (2012) oder im März bei der (meines Wissens nach) einzigen öffentlichen Veranstaltung des Fanbeirats. Jetzt wäre dann die Zeit, die Sache mal etwas aus den Hinterzimmern rauszuholen, um sie nachvollziehbarer zu machen.

So, das dazu.

Das hier habe ich heute vom Ketzer auf Facebook gefunden:

„Früher war alles besser“ …sagt man ja so schnell und gern. In einem Falle ist das auch so! Früher waren alle die schwarz-weiss-grün gekleidet waren eine Einheit, eine Famile! Auswärts oder zuhause… völlig egal! Da traf man sich mit seinen Homies vorm Spiel in der Stammkneipe und sinierte über das, was einen wohl erwartet, wie die wohl auflaufen würden, wieviel Leute kommen, etc.pp. Es gab noch kein Internet. Wenn ich z.B. was über Darmstadt wissen wollte, musste ich bei den Lilien jemanden fragen beim Auswärtsspiel „was geht bei euch so…?“ HEUTE: gibt es Foren und Foren und Foren, jeder Fukkooo hat ne Meinung zu irgendwas. Und Eloquenz ist da sicher kein Indiz für Klug- oder Allwissenheit. HEUTE glaubt jeder zu wissen was das richtige und was das falsche ist. HEUTE halten Dinge Einzug ins Stadion die da gar nichts zu suchen haben. HEUTE gibts es Eventfans auf der einen Seite, die Kaviar-Fresser …und Eventfans auf der anderen, die Tankstellenrandalierer… ich weiß nich was mit dieser, seit 1906-gewachsenen Geschichte passiert ist. Aber mir gefällt nicht was um den Fussball herum passiert. Und das meine ich fast schon global.

Der Ketzer hat das sicher unter dem Eindruck der aktuellen Situation geschrieben. Der Hinweis auf einen veränderten Fußball ist ja völlig richtig. Das Drumherum des Sports ist kommerziell geworden.

Aber die Klage über „Foren und Foren und Fukoos“ ist zu billig. Das böse Internet. Die ganzen Klugscheißer. Richtiger wird das aber auch nicht.

Als ob es nicht diese ganzen Klugscheißer, Besserwisser, Dauermeckerköppe und alle anderen nicht vor 20 Jahren auch gegeben hätte. An jedem Tresen konnte man sie hören. In jedem Spiel standen sie auf der Gegengerade und hatten immer was zu motzen. Immer wusste irgendwer „besser“ als andere, was zu tun sei. Das ist doch wahrlich keine neue Entwicklung.

Und noch eine Wahrheit gehört dazu: Die Ultra-Szene gab es vor 20 Jahren oder wann immer dieses „früher“ stattfand, in Deutschland nicht. Und ohne Ultras auch niemand, der sich an ihnen rieb. Schließlich drehen sich doch bemerkenswert viele Debatten heute um das Spannungsfeld „Ultras vs. Kommerz vs. Kutten“. Kein Wunder, dass „früher“ hinterher gerne mal etwas ruhiger und einfacher scheint.

Buntere Familie

Und dass die Fans eines Klubs, der Preußen, eine Familie gewesen wäre, ist wohl eher Folklore. Vielleicht waren die Fanklubs eine Familie. Vielleicht waren einfach die Kreise kleiner. Aber wenn die Schwarz-Weiß-Grünen damals eine Familie waren, dann sind sie es heute ebenso – nur eben lauter, bunter.

Was sich verändert hat, sind die Plattformen, nicht mehr. Statt nur am Tresen hört man jede einzelne Stimme nun lauter. Und das ist auch gut und wichtig. Heute kann sich jeder viel besser und umfassender beteiligen. Heute bekommen Leute eine Stimme, die damals nie gehört worden wären – weil sie in der Szene nicht vernetzt waren. Weil sie im falschen Klub steckten. Weil sie einfach nur ganz privat unterwegs waren und ihre Meinung nirgends gefragt oder gehört wurde.

Und das wird in diesem etwas herablassendem Getue gerne vergessen: Hinter jeder Stimme in diesem schlimmen Internet steckt jemand, der sich Gedanken macht über seinen Verein. Und mehr noch: Gerade rund um den SCP dürften viele der „Internetstimmen“ sogar regelmäßig im Stadion stehen.

Sind ihre Stimmen weniger wert, nur weil sie nicht an einem Tresen in die Gegend posaunt werden?

 

Das wollte ich hier auch noch einmal anbringen. Ich selbst war nie in einem Fanklub. Zu „meinen“ Preußen bin ich 1989 eher zufällig geraten. Ich war nie Teil einer aktiven Fanszene. Ich habe aber dennoch meine Zeit in Brakel, Gevelsberg, Salmrohr oder Elversberg abgerissen.

Muss ich die Klappe halten?

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