Fanprojekt vs. Fanbeirat: Hier steppt der Bär…

Fanprojekt vs. Fanbeirat: Hier steppt der Bär…

Eine gemeinsame Stimme für die aktive Fanszene – eine gute Idee. Aber leider eine Idee, der das Schicksal droht, zwischen den Befindlichkeiten und Eitelkeiten aller Beteiligten zerrieben zu werden. Da wird gepetzt, angeschwärzt, aufeinander geschimpft. Da wird Öffentlichkeit gesucht, wenn sie einem gerade in den Kram passt und geschwiegen, wenn es zu heikel wird. Ich versuche mal, das darzustellen. Kann aber dauern.

Zunächst: Was ist denn eigentlich los?

Seit etwa 2012 trifft sich eine Arbeitsgruppe, um einen Fanbeirat im Fanprojekt zu installieren. In dieser Arbeitsgruppe haben sich Vertreter aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Stadions zusammengeschlossen. Aus dem A-Block ebenso wie aus der Gegengerade oder der Fiffi-Gerritzen-Kurve.

Der Fanbeirat sollte eine größere Unabhängigkeit vom Verein besitzen – und so klarer die Interessen der aktiven Szene formulieren können. Ein „Sprachrohr“ zwischen Fanszene und Klub – das sollte der Fanbeirat sein. Oder einfach ein neuer „Kommunikations-Kanal“, wie es FP-Vorstand Andreas Bode im März formulierte.

Anlass zur Gründung dieser Arbeitsgruppe war ein über längere Zeit gewachsener Eindruck, das Fanprojekt e.V. vertrete nicht (mehr oder nicht ausreichend) die Interessen der „aktiven Fanszene“. Dazu später mehr.

Soweit bekannt, ist vor einigen Tagen eine interne Mail der Arbeitsgruppe beim Fanprojekt gelandet. Und von dort wurde sie mindestens an die Westfälischen Nachrichten „geleakt“. Über den Inhalt der Mail ist offiziell nur bekannt, was Thomas Austermann daraufhin in den WN schrieb – und worauf das Fanprojekt am Samstag in einer Stellungnahme reagierte.

Das Fanprojekt fühlt sich hintergangen, sieht gemeinsame Verabredungen torpediert. Die Kritik formulierte der FP-Vorstand am Samstag so: Die Arbeitsgruppe sehe gegen jede Absprache plötzlich wenig bis keine Möglichkeiten, mit dem aktuellen Vorstand des Fanprojekts zusammenzuarbeiten. Ein vollständiger Neuanfang des Fanprojekts sei wohl erforderlich – inklusive der bereits seit über einem Jahr diskutierten Umbenennung.

Man fürchte, die Arbeitsgruppe werde das Fanprojekt als eine Art „Opposition“ innerhalb des Gesamtvereins missbrauchen.

Tatsächlich heißt es in der internen Mail (die mir vorliegt), dass das Fanprojekt seine eigentlichen Ziele aus den Augen verloren habe. Ebenso skizziert wird in der Mail das weitere Vorgehen, eine mögliche Besetzung eines künftigen FP-Vorstands. Ziemlich konkret sogar mit potenziellen Kandidaten.

So weit, so unschön.

Die Mail selbst war eigentlich nur für den internen Verteiler der Arbeitsgruppe gedacht. In ihr formuliert der Absender ausdrücklich, dass man das alles  auch vor der nächsten Mitgliederversammlung des FP mit Andreas Bode besprechen müsse.

Dass diese Mail – wie immer sie nun zum FP gelangt ist – dort für ziemliche Überraschung gesorgt haben dürfte, liegt auf der Hand. Ihre zentralen Aussagen stehen in teilweise deutlichem Widerspruch zu dem, was in der Vergangenheit kommuniziert worden war.

Noch im vergangenen März standen sie nämlich alle Seite an Seite: Fanprojekt und Arbeitsgruppe Fanbeirat. Nico Rensing hatte damals im FANport die Ziele und Beweggründe für die Einrichtung eines Fanbeirats dargestellt – und zwar in ziemlicher Einigkeit mit dem Vorstand des Fanprojekts, vertreten durch Andreas Bode. Damals war das Ziel, der aktiven Fanszene durch einen Fanbeirat innerhalb des Gesamtvereins mehr Gewicht zu verleihen.

Bekannt ist: Schon von Anfang an war die Heimat des Fanbeirats im Fanprojekt durchaus kritisch gesehen worden – wegen der Nähe des Fanprojekts zum Verein und wohl auch wegen einiger Animositäten zwischen einzelnen Beteiligten.

Es ist auch kein Geheimnis mehr, dass innerhalb des FP-Vorstands über die angeregte Namensänderung kontrovers diskutiert wurde. Es ist auch bekannt, dass einzelne FP-Vertreter die geplanten Veränderungen schlichtweg nicht akzeptieren wollten.

Dennoch: Wie es alle Beteiligten geschafft haben, eine gute Idee binnen weniger Monate in ein „wir gegen die“ zu verwandeln, ist bemerkenswert im negativen Sinn.

Die Stellungnahme des Fanprojekt klingt ja nicht minder radikal als die interne Mail: Da wird ziemlich unverhohlen der Eindruck erweckt, die Arbeitsgruppe habe es auch auf das „Fanprojektvermögen“ abgesehen. Das ist ebenso polemisch wie die Reaktion auf das Schreiben überhaupt. Ein anberaumtes Treffen zwischen allen Beteiligten hatte das Fanprojekt am vergangenen Dienstag ja einfach abgesagt, stattdessen den bekannten Mitgliedern der Arbeitsgruppe per Einschreiben (!) die Aufforderung zugestellt, sich bitteschön zu erklären. Ansonsten behalte man sich den Ausschluss der Beteiligten aus dem FP vor.

Überdies werde man nun bei Neuanmeldungen besonders genau hinschauen und behalte sich eine Ablehnung neuer Bewerber vor. Na, wie soll denn das in der Praxis aussehen? Sollen interessierte Bewerber jetzt vorher einen „Gesinnungs-Fragebogen“ ausfüllen?

So ein Vorgehen ist wenig souverän – vielleicht hätte das ohnehin geplante Treffen besser stattgefunden. Denn der „Tenor und Radikalität“ der lediglich internen und nicht final formulierten Mail, aus der das Fanprojekt wiederum plötzlich „Beschlüsse“ macht, hätten in einem klaren Gespräch möglicherweise direkter besprochen oder sogar geklärt werden können.

Es ist einfach unsauber, eine interne Mail zur Grundlage einer solchen Reaktion zu machen und nicht ein gemeinsames Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine nicht ins Reine geschriebene Mail mit einigen, teils persönlichen Gedanken, nicht ernsthaft Basis einer Diskussion sein kann. Zumal in der Mail sehr deutlich wurde, dass auch innerhalb der Arbeitsgruppe durchaus unterschiedliche Ansichten herrschen. Und intern bleibt nun einmal intern. Das kann man nicht bewerten und öffentlich diskutieren wie eine fertig formulierte oder im Gespräch getroffene Aussage.

In diesem Licht wirkt die Stellungnahme des Fanprojekt seltsam unangebracht.

Und überhaupt: War nicht der aktuelle Vorstand des Fanprojekts gerade erst vor wenigen Tagen geschlossen zurückgetreten und agiert seither nur kommissarisch? Worum dann überhaupt die Entrüstung? (Sachlich falsch, siehe Kommentar)

Vollends unangenehm (und das ist ein wirklich freundliches Wort. Besser wäre: widerlich) wird die Sache durch das „Leak“ an mindestens eine Redaktion (WN). Ausgerechnet der FP-Vorstand, der sich brüskiert fühlt durch eine Mail, die nicht einmal für ihn bestimmt war, spielt ein mieses Spielchen und treibt, was intern hätte bleiben müssen, nach außen. So geht’s ganz sicher nicht. Das war ein grobes Foul.

Aber.

Aber das ist eben nur die eine Seite. Was eigentlich hat die Arbeitsgruppe da nur getrieben? In der Vergangenheit war ihr der Wunsch nach Transparenz ja immer so wichtig. Keinesfalls sollte der Eindruck entstehen, hier würde im Handstreich etwas erledigt. Nein – es war immer der Wunsch nach einem gemeinsamen Weg.

In etwa so zu verstehen ist deshalb auch der Blogbeitrag von Andreas Bode, in dem er seine persönliche Sicht darstellt. Darin heißt es, dass er noch wenige Tage vor dem „Mail-Fiasko“ ein Konzept vorgelegt habe, wie man den aktuellen Vorstand um Vertreter aus der aktiven Fanszene erweitern könne. Eine gute und sinnvolle Idee. Und offenbar eine, die auch bei Vertretern der Arbeitsgruppe durchaus auf Zustimmung stieß – was den Ärger des FP über ein möglicherweise anderes Vorgehen ja sehr verständlich macht.

Das Konzept von Andreas Bode war auch entstanden, weil sich in der Diskussion zwei Dinge ziemlich deutlich herausgestellt hatten.

  • Das Fanprojekt leistet eine zeitaufwändige, gute und sinnvolle Arbeit für nicht-organisierte Fans, für die „Jedermanns“ (was ausdrücklich nicht herablassend gemeint ist).
  • Es empfand sich und empfindet sich zwar als offener Ort für alle Fans, erreicht aber de facto die aktive Szene nicht.

Das ist Grundlage des ganzen Dilemmas – und ist ein gordischer Knoten. Vom Fanprojekt zu erwarten, dass es sich auf Seiten der aktiven Szene stellt, wenn es Probleme gibt (Stadionverbote, Pyro etc.), ist falsch. Das Fanprojekt ist Bestandteil des Gesamtvereins und muss sich im Zweifelsfall auf dem Boden von Recht und Gesetz bewegen.

Allerdings: Sehr wohl kann man Kritik daran üben, wie sich das Fanprojekt in allen relevanten Fragen in der Vergangenheit weggeduckt hat, zuletzt beim umstrittenen Maßnahmenkatalog.

Als ers­tes habe ich mit­ent­schie­den, dass das FP sich nicht mehr öf­fent­lich zu Ul­tra­the­men äu­ßert, was z.B. bei Du­is­burg und Osna auch ge­lang, beim Maß­nah­men­ka­ta­log aber voll in die Hose ging! (Andreas Bode)

Wie Andreas Bode dort schreibt, war von ihm gewünscht, dass sich das Fanprojekt aus „Ultra-Themen“ heraushält. Aber genau das war offenbar der falsche Weg – denn er führte umso mehr dazu, dass sich der Eindruck in der aktiven Szene verstärkte, das Fanprojekt sei nicht ihr Vertreter.

Wann immer die Szene vielleicht ein klares Wort vom Fanprojekt erwartete, kam: Schweigen. Dies gilt trotz des Versuches einzelner Fanprojekt-Vertreter, abseits der Öffentlichkeit Wege zu ebnen.

Andreas Bode formuliert in seinem Blogbeitrag aber auch, wie viele „kleine“ und manchmal lästige Alltagsgeschäfte des Fanprojekt übernimmt. Und er wie auch andere Vertreter des Fanprojekts hatten wohl den Eindruck, es sei den (einigen?) Vertretern der Arbeitsgruppe wenig an dieser Art von „Basisarbeit“ gelegen, sondern mehr an einer Art „Opposition“ gegen manche Vereins-Maßnahmen.

Dass also aus dem Fanprojekt eine „radikale Organisation“ mit beschränktem Themengebiet würde. Tombola und Weihnachtsfeier? Busfahrten zu Auswärtsspielen? Grillpartys mit der Mannschaft? Hand aufs Herz: Sind das Themen der Arbeitsgruppe Fanbeirat? Wohl nicht. Und das hatte die Arbeitsgruppe auch im März selbst so formuliert. Mit Alltagsfragen wie die nach den Eckfahnen in Vereins-Farben – nein, das seien eher nicht die Interessen des Fanbeirats.

Ist in diesem Licht die Sorge des Fanprojekts wirklich unverständlich, sozusagen in einem Handstreich vertrieben zu werden? Wohl nicht. Kann das als Missbrauch des Fanprojekt verstanden werden? Sicher. Ist der Ärger des Fanprojekts verständlich? In jedem Fall.

Ein Bärendienst

Eines ist aber sicher: Mit Ruhm bekleckert hat sich keiner der Beteiligten. Der gemeinsamen Idee haben sie einen gewaltigen Bärendienst erwiesen. Sie haben eine Diskussion, die unbedingt (weiter) miteinander geführt hätte werden müssen, zu einer peinlichen und öffentlichen Schlammschlacht werden lassen.

Die Arbeitsgruppe Fanbeirat hat durch ihre Mail – unbeabsichtigt oder nicht – zugleich das Fanprojekt sturmreif geschossen. Jetzt steht nämlich der Gedanke im Raum, dass mit dem aktuellen Fanprojekt wenig zu machen sei. Da scheint es fraglich, ob überhaupt noch irgendein gemeinsamer Weg denkbar ist.

Die ziemlich aus dem Ruder gelaufene JHV des Fanprojekts war jüngst ein Zeichen… Gleich dutzendfach hatten neue Mitglieder eintreten wollen. Nein, sie hatten keine „Übernahme“ geplant, hieß es anschließend. Und tatsächlich scheint mir ziemlich schwer vorstellbar, dass sich Vertreter aus der Ultras-Szene in einem Fanprojekt aktiv engagieren würden. Aber tatsächlich würden sie durch ihr Stimmrecht die Dinge (und Posten) so lenken können wie gewünscht – das anders zu sehen wäre wohl naiv.

Das Fanprojekt wiederum hat die Vertreter einer eigentlich guten Idee zu einer Art Putschisten-Kommando gemacht, sie öffentlich als Lügner und Hintertreiber gebrandmarkt. Und mit diesem Verhalten nur den Eindruck der aktiven Szene verstärkt, das Fanprojekt habe kein Interesse an Veränderungen.

Die Idee, die Andreas Bode nach eigenen Angaben skizziert hatte, wäre ja der vernünftige Weg gewesen. Ein Fanprojekt als Anlaufstelle für alle Fans. Ein Fanbeirat, der zwar im Fanprojekt Wurzeln schlägt, jedoch als unabhängige Stimme die aktive Szene gegenüber dem Verein vertritt. Nur miteinander würde das funktionieren – so hätten beide Seiten voneinander profitiert: Der Fanbeirat, weil er über seine Heimat im Fanprojekt legitimiert wäre. Das Fanprojekt, weil es sich für die aktive Szene weiter öffnet.

Und so war es streng genommen von Beginn an gedacht.

Jetzt aber, wo alle Beteiligten ihr Möglichstes gegeben haben, einander zu diffamieren, dürfte das schwer fallen. Jetzt sind ziemlich feste Mauern errichtet worden.

Und wie geht’s weiter?

Wenn man es konsequent zu Ende denkt, gibt es derzeit nur noch einen Weg. Das Fanprojekt in seiner jetzigen Besetzung ist offensichtlich nicht zukunftsfähig.

Die Aufgaben des Fanprojekts muss/kann/sollte/könnte der FANport übernehmen, der dann auch den Namen übernimmt.

Oder das Fanprojekt startet mit einem (teilweise) neuen Team durch – schwer genug angesichts der Lage.

Neu gründen müsste sich aber in jedem Fall ein Dachverband für die aktive Fanszene – und zwar bewusst unabhängig vom Verein. Nur so bekäme er die Akzeptanz in der aktiven Szene und könnte sich in der Diskussion mit dem Verein (öffentlich und nicht-öffentlich) positionieren. Wie das Kind dann heißt, spielt ja erst einmal keine Rolle. Wenn es nicht miteinander geht, muss es eben nebeneinander gehen. Zusammenfinden kann man immer noch. Nur derzeit offenbar nicht (mehr).

Alles in allem eine ganz traurige und bittere Veranstaltung. Hoffentlich kommen alle Beteiligten in den kommenden Tagen zur gleichen Einschätzung. Mit ganz viel Glück und gutem Willen lässt sich vielleicht doch noch etwas retten in diesem Trümmerhaufen.

 

 

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2 Gedanken zu “Fanprojekt vs. Fanbeirat: Hier steppt der Bär…

  1. Der Vorstand des FP ist mitnichten kommissarisch tätig, sondern von der JHV bis zur nächsten, außerordentlichen Mitgliederversammlung wiedergewählt worden.

    Bitte im Text ändern, Danke!

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