Heute die Bayern, morgen wieder alles andere

Heute die Bayern, morgen wieder alles andere

Und nun ist der Tag angebrochen, der so lange über allem schwebte. Münster gegen München, Preußen gegen Bayern – ein Pflichtspiel wie kein anderes in der Vereinsgeschichte. Nicht vom sportlichen Wert her, natürlich. Da gab es weiß Gott wichtigere und spannendere Spiele. Aber es ist nun einmal so, dass der FC Bayern in Deutschland der spektakulärste Verein ist. Und der Gedanke, dass Pep Guardiola heute wie jeder Drittliga-Trainer durch den Spielertunnel ins Preußenstadion einläuft, hat trotz allem Flair.

Vermutlich bis zum Anstoß sorgte die Partie ja für ein Auf und Ab der Gefühle. Ein spektakuläres Los zuerst, ein Versprechen auf einen goldenen Spätsommer. Ein ausverkauftes Stadion, Sommer, Sonne, DFB-Pokal. Erinnerungen an Werder Bremen, an große Zeiten. Dann kam der Liga-Auftakt, dann wurde die Stimmung kühler, dann überlagerten kritische Stimmen die ganze Vorfreude. Scheiß Los, besser woanders spielen, lieber das maximale Geld aus dem Spiel herauspressen.

Und überhaupt: Der Pokal lenke ab vom Liga-Betrieb. Ganz so, als seien die vielen Fehler der Preußen in den bisherigen Spielen vom Gedanken getrieben, bald gegen Lahm und Co. spielen zu dürfen. Nun, was soll’s.

Wer am Samstag die Anreise der Bayern beobachtete, muss immerhin feststellen, wie sehr dieses Spiel eine Ausnahmeerscheinung ist. Wo immer der knallrote Bayern-Bus auftauchte, sorgte er für Aufmerksamkeit. Hunderte Fans erwarteten die Münchner am FMO in Greven, verfolgten den Bus auf der Autobahn, warteten am Mövenpick-Hotel.

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Und die Vorfreude ist, verdammt noch einmal, auch berechtigt. Wofür spielt ein Drittligist denn sonst für den DFB-Pokal? Die Chancen auf ein Pokalwunder, einen Einzug ins Achtel-, Viertelfinale oder mehr sind verschwindend gering. Für die meisten Amateurklubs ist spätestens im Achtelfinale Feierabend – in den vergangenen zehn Jahren gelang es nur zwei Amateurteams, ins Viertelfinale vorzustoßen. Kiel im Jahr 2011 (gegen den BVB) und der U23 des FC Bayern München (2004).

Spätestens in der 2. Runde ist in der Regel Schluss, das wissen die Preußen selbst am besten. So ambitioniert man ja auch sein mag, der DFB-Pokal ist die Party, die man gerne erst spät verlässt. Aber wenn das Taxi früher da ist – auch gut.

Die Party, die heute (17. August, hier im Liveticker) im Preußenstadion wartet, ist immerhin eine mit großem Auftrieb. Rund 16.800 Zuschauer, Sky ist mit elf Kameras vor Ort, so viele Medien wie nie sind akkreditiert – es ist nichts weniger als ein Spektakel im Preußenstadion und als solches darf man das auch genießen. Was ja genau ist, was Sportvorstand Carsten Gockel seit Wochen sagt. Ein Spiel, das Verein und Stadt genießen mögen. Eine spektakuläre Pause von allem.

Man darf sich auch gerne an jene Vereine erinnern, die an diesem Wochenende spielfrei haben, weil sie es nicht in den Pokal geschafft haben. Es ist fast ein bisschen unanständig, wenn in Münster über das Los Bayern München geklagt wird. Wer schimpft und klagt, sollte sich vor Auge halten, dass man gegen Aue oder den FSV Frankfurt auch in der 1. Runde mal sang- und klanglos ausscheiden kann. Dafür aber ohne jede Beachtung, ohne jede Euphorie.

An Tagen wie diesen kursiert ja gerne der berühmte Spruch, man habe ja „nichts zu verlieren“. Tatsächlich sind die Aussichten auf einen Sieg gering. Selbst die Wettanbieter haben für Münster die größten Quoten im gesamten Wettbewerb. Niemand erwartet vom SCP eine Sensation. Und so klingt auch das Team. Benjamin Siegert verkündete vor wenigen Tagen, ein Unentschieden zur Pause wäre bereits die Sensation.

Gewinnen kann der SCP heute also viel. Nur eines sollte nicht passieren: Ein 0:10 oder ein 0:5 nach 20 Minuten – das würde dann doch die Stimmung etwas ruinieren.

Dass der Trainer in der Vorbereitung den Realist gab, ist nachzuvollziehen und vernünftig. Aber natürlich hätte man das alles auch mit etwas mehr Feuer, etwas mehr Leidenschaft angehen können. Schon vor Anpfiff die eigene Chancenlosigkeit zu betonen, ist jetzt nicht gerade inspiriert. Ob Kampfansagen der bessere Weg gewesen wären? Muss ja nicht sein. Aber ein bisschen mehr von der Art „Wir werden den Bayern einen Kampf liefern“ hätte dem Preußen-Gemüt sicher gut getan.

Nun, das Thema ist jetzt durch. Die Bayern kommen. Vermutlich werden sie gewinnen. Dafür ist Münster aber für einen Tag bundesweit in den Schlagzeilen – auch ohne Live-Übertragung in der ARD. Und Aufmerksamkeit für den eigenen Klub ist sicher keine schlechte Sache. Da kommt der FC Bayern eben doch gerade rechtzeitig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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