Preußen Münster, das „Fallobst“ der Liga und der mühsame Start

Preußen Münster, das „Fallobst“ der Liga und der mühsame Start

Seit zwei Partien nicht verloren, drei Spiele, vier Punkte: Das ist das Preußen-1-2-3. Alles richtig und alles gut ist trotzdem nichts. Na gut, im Fußball ist nur in seltenen Fällen alles im Lot, aber spannend ist die Diskussion um den Saisonauftakt allemal. Vier Punkte hat der SC Preußen jetzt, säuberlich verteilt in je eine Niederlage, ein Unentschieden, einen Sieg (okay, sonst käme man ja auch nie im Leben auf vier Punkte…). Vier Punkte, die aktuell Platz 7 in einer ansonsten ziemlich aussagearmen Tabelle bringen.

Aussagearm, weil es in der Liga in der Vergangenheit selten und zumindest aktuell auch keinen Überflieger gibt, dafür aber eine ziemlich ausgeglichene Lage. Sieben Punkte sind das Maximum, derzeit von nur drei Teams erreicht: Chemnitz, Dresden, Wiesbaden.

Und „Fallobst“, wie auch Preußenspieler nach dem 0:0 gegen Cottbus richtig anmerkten, gibt es in der Liga nicht. Ja, der VfB II hat noch null Punkte – aber dabei keineswegs gespielt wie ein Absteiger. Zum Auftakt in Dresden unterlagen sie unglücklich mit 1:2, auch gegen die Preußen waren sie ein unbequemer Gegner.

Wie ausgeglichen sich die 3. Liga präsentiert, lässt sich gerade an den Aufsteigern gut ablesen. Sonnenhof-Großaspach leidet wohl eher unter dem bekloppten Vereinsnamen denn unter sportlicher Erfolgslosigkeit – fünf Punkte sind dafür ein deutliches Zeichen.

Fortuna Köln überraschte gerade mit einem 2:0 in Halle und die stehen nun auch nicht gerade im Verdacht, ein Abstiegskandidat zu sein.

Es stimmt also: Diese 3. Liga setzt fort, was sich bis auf wenige Ausnahmen (Rostock und Braunschweig vor einigen Jahren, zuletzt Heidenheim) abgezeichnet hat. Überflieger sind selten, in der Klasse spielt sich viel auf Augenhöhe ab.

Falsche Orientierung

Und das ist interessant. Die Klagen rund um den SCP drehen sich nämlich viel um spielerische Klasse, um Spielstruktur. Über Einzelfragen lässt sich immer diskutieren – kommt ein Wechsel zu früh, kommt er zu spät, wäre ein ganz anderer Spieler gefragt?

Aber ein gewisser Verdacht liegt nahe, dass sich beim SCP viele noch an einer teilweise überragenden Hinrunde im Sommer 2012 orientieren. Vieles lief damals optimal, der Anspruch an spielerische Klasse wurde durch Einzelspieler wie Bischoff, Nazarov und Co. in Topform bestärkt – aber schon in der Rückrunde passte sich der SCP ja dem allgemein eher kompakt-stabilen Ergebnisfußball der Liga an.

Genau mit dem Stil war Arminia Bielefeld im vergangenen Sommer aufgestiegen – selten wirklich glänzend, sondern mit einem kompakten Auftritt und mannschaftlicher Geschlossenheit. Genau das, was der damalige Aufstiegstrainer Stefan Krämer mit Energie Cottbus bestens in Münster bestätigte.

Das alles bedeutet nicht, das Spiel des SCP jetzt weniger auf Klasse hin zu bewerten. Natürlich sind die Preußen noch nicht da, wo sie gerne sein wollen als Mannschaft. Sportvorstand Carsten Gockel sagte gegenüber preussen-schaufenster.de, den Neuzugängen müsse man ja auch noch Zeit zubilligen, sich im neuen Verein und mit neuen Kollegen einzuleben. Gut möglich, dass der SCP (wie andere Vereine) gerade noch auf dem Weg zu seiner Leistungsfähigkeit ist.

Dass Ralf Loose derzeit zu vielen Wechseln getrieben wird und (noch) keine feste Formation gefunden hat, ist einzig den ständig wechselnden Ausfällen zuzuschreiben. Der Dauerbrenner Jens Truckenbrod, gerne unterschätzt, fehlte einmal mit Gelb-Rot. Benjamin Siegert war kaum wieder da nach seiner Sperre, da war schon wieder verletzt. Kevin Schöneberg stolperte von einer Verletzung in die nächste. Jetzt ist Erik Zenga erst einmal verletzt, Dominik Schmidt und Mehmet Kara waren auch nicht durchgängig fit. Dass (wie oben angemerkt) auch noch nicht jeder Spieler seine persönlichen 100 Prozent erreicht hat – das alles trägt natürlich nicht dazu bei, dem Spiel des SCP eine dauerhafte Struktur zu verpassen.

Solidarität von den Rängen mit Co-Trainer Babacar N'Diaye, der sich in Stuttgart von einigen Fans böse Sprüche gefallen lassen musste.

Solidarität von den Rängen mit Co-Trainer Babacar N’Diaye, der sich in Stuttgart von einigen Fans böse Sprüche gefallen lassen musste.

 

Entscheiden!

So ein bisschen müssen sich wohl auch die Fans entscheiden. Über Wünsche und Ziele wurde in Münster in den vergangenen zwei Jahren so viel wie selten gesprochen – aber dann muss man sich bitte diesen Zielen auch „committen“, wie es neudeutsch heißt. Und dann müsste man eben auch den Arminia-Ergebnisfußball tolerieren, der nicht für Begeisterungsstürme bei Beobachtern gesorgt hatte, aber den Aufstieg bescherte. Darmstadt kam im vergangenen Jahr auch weniger über spielerische Extravaganzen, sondern über die Teamleistung, befördert durch einen herausragenden Einzelspieler.

Glänzen, spielerisch überzeugen und gewinnen? Das schaffen nur wenige Klubs. In der Regel steigt derjenige auf, der am geschlossensten auftritt. Nicht für die Galerie kickt, sondern für das Ergebnis. Auch das ist natürlich kein Gesetz, aber nun einmal das Grundrezept für Erfolg in der 3. Liga.

Und jetzt also das 0:0 gegen Energie Cottbus. Eine Halbzeit lang war es in Ordnung. Cottbus kam zunächst besser, aggressiver ins Spiel. Münster holte sich die Deutung über das Spiel aber nach gut einer Viertelstunde zurück und hatte dann insgesamt die klar besseren Chancen. Pfostentreffer, einmal Zentimeter am linken Pfosten vorbei – und wenn Mehmet Kara einen starken linken Fuß hätte, würde er wohl direkt abgeschlossen haben, statt sich den Ball auf den rechten Fuß zu legen.

Halbzeit zwei? Okay, keine Glanzleistung. Eher das Gegenteil. Cottbus stemmte sich kompakt gegen Münsters dann teilweise plan- und ideenloses Spiel. Langholz von hinten nach vorn? Das ist sicher nicht die Spiel-Idee auf Dauer. Münsters Spiel hakt aber oft zwischen Abwehr und Offensive, da klappt das Umschalten und das sinnvolle Pass-Spiel (noch) nicht richtig, weil die Anspielstationen fehlen. Diese Probleme sind, zugegeben, nicht neu. Schon in der vergangenen Saison musste oft der lange, hohe Ball her. Bisher muss man sich fragen, ob sich die Mannschaft unter Ralf Loose wirklich weiterentwickelt hat. Aber genau das ist eben jetzt noch nicht so zu bewerten.

Möglich, dass einer wie Bischoff da für etwas mehr Struktur im Spiel sorgen könnte – sicher einer der Gründe, warum Loose den eigentlich abwanderungswilligen Spieler gerne einbauen würde. Oder besser: Einer der Gründe, warum manche Fans sich wünschten, Loose würde den Spieler einbauen.

Es ist aber auch richtig, dass Münsters Defensive weiter stabil steht – trotz wechselnder Besetzung. Cottbus bekam wie Stuttgart nur wenig echte Möglichkeiten. Fast darf man es ja nicht sagen… aber mit einer stabilen Defensive gewinnt man Titel (einmal fünf Euro, danke).

Die derzeitige Aufregung ist noch nicht richtig nachvollziehbar, wenn man es mal ruhig betrachtet. Es ist Spieltag 3, fast alle Teams der Liga arbeiten noch an ihrem Spiel. Wirklich halbwegs belastbar lässt sich derzeit doch gar nichts bewerten.

 

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4 Gedanken zu “Preußen Münster, das „Fallobst“ der Liga und der mühsame Start

  1. Deine Worte zum Ziel Aufstieg könnte ich unverändert in Duisburg übernehmen. Immer wieder ein Problem in der Liga, die Erwartungen der Zuschauer. Viele machen sich nämlich was vor, wenn sie immer lauthals erzählen, es reiche ihnen, wenn sie die Spieler kämpfen sehen. In der 3. Liga sehe ich die Mannschaften ununterbrochen kämpfen, weil das intensive Laufen beim Verteidigen Grundkonzept der Liga ist.
    Um dann die kompakten Gegner spielerisch auseinander zu nehmen, fehlt es den meisten Drittliga-Spielern an technischen Fähigkeiten. Die Zuschauer werden ungeduldig und wenn dann der Erfolgsfall nicht eintritt, ist die Stimmung im Eimer. Das war die Baumann-Saison in Duisburg. Wir hoffen ja gerade auf das Gelingen des schnellen Umschaltspiels und frühe Sicherung des Siegs 😉

  2. Ich empfinde dieses losgelöste „es sind ja erst x Spiele gespielt“ immer wieder seltsam. es ist ja nicht so, dass im Sommer alles auf Null gestellt wird, der Trainer beispielsweise als maßgebendes Organ ist doch erhalten geblieben, dazu auch „sein“ Gerüst der Mannschaft.
    Und hoppala, es setzt sich fort, was in der letzten Saison schon zu sehen war. Und das darf nicht festgestellt werden, weil es ja erst nur x Spiele in der neuen Saison sind?
    Wenn der Trainer dann im Preußen-Schaufenster feststellt, dass ihm ja zwei wichtige Spieler aus der Vorsaison verloren gegangen seien, dann hat sich ja auch nichts an den Ansichten des Coaches geändert. Er ist ja nur der Verwalter der Mängel, die andere verursacht haben.
    Noch mal: der Kader ist gut genug, unter die ersten 6 zu gelangen. Auch mit dieser Langholz-Marschroute wird Loose Punkte holen, aber es wird sich keine Entwicklung zeigen.
    Dass Du jetzt auch in diese Schwarz-Weiß-Schublade greifst und ein Spiel aus der defensive heraus in dieser Form als nahezu alternativlos darstellst, verwundert mich schon.
    Zumal die Vergleiche mit Bielefeld und Darmstadt extrem hinken. Darmstadt hatte mit Gondorf einen Spielgestalter, Sailer, Heller, Ivana als Tempospieler. Ähnliches gilt auch für Bielefeld im Jahr davor. Das zentrale Mittelfeld mit deutlich mehr Präsenz als das der Preußen (Schütz, Riese, Jerat, Müller), dazu noch schnelle Außen mit Hille usw. Dazu ein Trainer, der taktisch durchaus variierte. Auch wenn es wirklich nicht immer schön anzusehen war.
    Will Preußen dahin gelangen, muss sich einiges ändern.

    • Huhu Huber: Es steht ja auch im Text, dass die jetzt auffälligen Probleme schon in der vergangenen Saison aufgetreten sind 😉 Ich finde aber schon, dass mancher Anspruch von uns Fans und Drittliga-Realität nicht übereinstimmt.
      Und die Spielertypen, die du für Darmstadt identifiziert hast, hat Münster im Grunde auch. Und lediglich hier bin ich eben anderer Ansicht: Ob sie dann auch so eingesetzt werden wie erforderlich und ob sie dafür auch Freiheiten bekommen, lässt sich jetzt noch nicht sagen.

      Nachtrag: Wenn es Münster gelingt, Kompaktheit und Spielkultur zu verbinden, würde ich mich kaum sträuben 🙂

      Aber ich nehme eben auch hin, dass in der 3. Liga etwas Pragmatismus gefragt ist…

      • So ganz sind die Spielertypen nicht gleich, vor allem die Besetzung des ZM und der Außen unterscheidet sich. Und einen derart aggressiven Anrenner wie den Sailer gibt es in Münsters Kader auch gar nicht, wobei das frühe Stören scheinbar auch gar nicht so gewünscht ist.
        Und noch mal, ich erwarte gar nicht, dass es wie unter Dotchev nach vorne geht. Aber wenn das, was sich Mittwoch zeigte, der Standard sein soll, Drittliga-Realität, dann sollten wir mit dem Fußball lieber ganz aufhören. Abschläge von Torwart zu Torwart, Standfußball und dumpfe lange Schläge, in der Hoffnung, man könne ganz eventuell vielleicht (ohne Nachrücken!!!) den zweiten Ball erobern, um so gefährlich zu werden, das ist sogar für die dritte Liga extrem wenig (Spielkultur).
        In der Mannschat steckt mehr, auch aus einer kompakten defensive heraus ist deutlich mehr möglich. Und es kann eigentlich nur besser werden. Oder?

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