Gastbeitrag auf preussenfieber.de: Daneben gegriffen

3:4 (1:4) gegen Hansa Rostock vor 10901 Zuschauern. Der Auftakt ging gründlich in die Hose. Eigentlich eine passende Ergänzung zu den hausgemachten Problemen der letzten Wochen. Und auch diese Niederlage war hausgemacht und dabei absolut vermeidbar wie auch vorhersehbar, leider. Ein Gastbeitrag.

Die Fehler des Ralf Loose

Das Grauen nahm eigentlich schon durch die Vorbereitung seinen Lauf. In dieser wurden Tests gegen gleichwertige oder stärkere Mannschaften fast konsequent gemieden und dies spiegelte sich auf dem Rasen in der fehlenden Wettkampfhärte wider. Die Mannschaft schien geradezu überrascht zu sein, dass der Gegner frecherweise läuferisch in Topform war, Zweikämpfe suchte, Ballsicherheit hatte und recht schnell unterwegs war.

Damit kommen wir zum nächsten Problem, der Zusammenstellung der Mannschaft. Es gab prominente Abgänge, vor allem Grote und Benyamina sind hier zu nennen. Doch die Preußen hatten auf dem Transfermarkt reagiert,  verpflichtete erfahrene Kräfte wie Heitmeier, Amachaibou und Reichwein. Doch blieben auch Lücken. Unter den Neuzugängen befand sich kein Linksfuß, keiner der prädestiniert wäre für die linke Mittelfeldseite, im Sturm stehen nun Krohne und Reichwein zur Verfügung, zwei große, kantige Spieler. Aber keine Alternative dazu. Außerdem war Trainer Loose mit den Außenverteidigern (mit Ausnahme Schönebergs) unzufrieden.

Für das Spiel gegen Rostock wählte Loose erwartungsgemäß eine Taktik, die auf Absicherung abzielt. Zwei defensivstarke Spieler vor der Abwehr, vorne Krohne und Reichwein als Sturmduo, auf den Außenbahnen Piossek und Amachaibou. Dazu erhielt Riedel den Vorzug vor Hergesell und Zenga durfte sich rechts hinten probieren, da Schöneberg noch nicht 100% fit war. Im Tor stand wie erwartet Masuch, der sich in dem „offenen“ Dreikampf, der keiner war, durchsetzte.

Einige Risikofälle

Es gab also von Beginn an ein paar Risikofälle, die der Trainer bewusst einging. Reichwein und Krohne sind in der Sturmmitte gemeinsam zu unbeweglich, sie stehen sich durchaus im Weg, keiner der Spieler wäre steil schickbar, keiner von beiden ist geschaffen für das Dribbling, beide Spieler sind besser, wenn sie im Strafraum eingesetzt werden. Doch leider gab es keine Antreiber. Dazu die offensiven Außenbahnen besetzt mit Piossek und Amachaibou, den einzig verbliebenen Kreativspielern, die sich im Zentrum deutlich wohler fühlen und deshalb oft nach Innen zogen. Das führte dazu, dass lange Zeit nichts über die Außen ging, bis Kara kam.

Der Spielaufbau von hinten war desolat, die Außenverteidiger (wenig überraschend) an der Leistungsgrenze, wobei Riedel die deutlich größeren Probleme hatte. Schlimm war die Raumaufteilung bei Ballbesitz. Hatten die Innenverteidiger den Ball, blieb das zentrale Mittelfeld unbesetzt. Weder Heitmeier noch Truckenbrod boten sich als Anspielstationen an, blieben gerne unsichtbar. Und da Pischorn und Schmidt auch nicht gerade Virtuosen am Ball sind, ging die ganze Taktik nicht auf. Fehlpass um Fehlpass, keine erhofften langen Bälle hinter die Abwehr der Rostocker, die auch nur ansatzweise ankamen.

Defensive nur noch schlechter

Und in der Defensive war es nicht besser, sondern schlechter. Der Torhüter strahlt keine Souveränität aus, jeder Schuss in Halbzeit eins ein Treffer. Masuch hat seine Stärken im eins gegen eins, seine Probleme bei Distanzschüssen, Flanken und mit dem Fuß sind aber unübersehbar und machten ihn zu einem Faktor in diesem Spiel. Aber seine Vorderleute waren da ja nicht besser. Riedel war kaum in der Lage, einen Zweikampf zu gewinnen, Zenga wirkte unsicher auf ungewohnter Position, im Zentrum standen die Spieler viel zu weit weg von den Gegenspielern, es wirkte wie in einem Testspiel, in dem eine neue Formation einstudiert werden sollte. Und hier schließt sich die Lücke zu der Vorbereitung, die eben qualitativ hochwertige Gegner vermissen ließ, die die Strukturen der Preußen an die Grenzen bringen.

Nach der Pause ließ Rostock die Preußen gewähren, griff nicht mehr den Spieler in Ballbesitz an und schlug einfach nur die Bälle hinten raus. Dadurch kam nach 20 Minuten der SCP plötzlich ins Spiel zurück, zum 3:4 (verlor dann das Spiel aber endgültig).

Kara brachte Bewegung

Mit Kara war ein Spieler da, der konsequent über Außen die Abwehr beschäftigte und Hansa damit gehörig ins Schwimmen brachte. Doch kurz nach dem 3:4 wurde das Spiel über Außen eingestellt. Plötzlich standen 5 Spieler auf einer Linie am Strafraum, für Hansa dankbar und leicht zu verteidigen.

Hier wäre es sicherlich sinnvoller gewesen, eine Dreierkette Piossek, Amachaibou, Piossek hinter der Doppelspitze zu haben, einen Ballverteiler, stets besetzte Außen.

So fehlte ein Äquivalent zu Kara auf der anderen Seite, denn auch Piossek war lieber im Zentrum  unterwegs, da ja ein Spieler die 5er-Reihe bedienen muss.

Das Fazit

Was bleibt hängen? Eine völlig unnötige Niederlage, in der der Trainer gehörig daneben griff. Taktisch war das zu wenig, die Raumaufteilung funktionierte überhaupt nicht, die neuen und die alten Stützen brachen weg. Das Fehlen eines Linksfußes (wann hat es das das letzte Mal im Profifußball gegeben) erschwerte das Flügelpiel, Spieler mussten sich überraschend auf unliebsamen Positionen wiederfinden (Amachaibou, Zenga), das Spiel ist zu statisch angelegt und im Spiel in die Spitze zu wenig überraschend.

Vieles davon hätte sich durch eine vernünftige Vorbereitung niemals so ergeben, jetzt stehen die Preußen auf und neben dem Platz direkt vor einem katastrophalen Fehlstart. Looses Plan war ein Rohrkrepierer, er wird für das Auswärtsspiel beim VfB II reagieren und auf neue Mittel zurückgreifen müssen. Der erfahrene Siegert dürfte sicher nach seiner Sperre beginnen, dazu sollte Amachaibou nach vorne (statt Krohne), hinten muss eigentlich die komplette Viererkette umgekrempelt werden.

Und ja, die Frage muss erlaubt sein: Macht ein Torwartwechsel Sinn? Oder soll es einfach so weitergehen? Es ist beängstigend, dass nach dem ersten Spieltag deutlich mehr Fragen offen bleiben. Hoffentlich. Denn das dürfen noch nicht die Antworten gewesen sein.

 


Dies ist ein Gastbeitrag auf preussenfieber.de. Meinungen in Gastbeiträgen spiegeln ausschließlich die Meinung der jeweiligen Verfasser wider.

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4 Gedanken zu “Gastbeitrag auf preussenfieber.de: Daneben gegriffen

  1. Ralle Loose ist eine absolute Fehlbesetzung. Für diesen Vorstand ist er aber professionell genug seinen erschreckend langweiligen und emotionslosen Fußball als so toll zu verkaufen, dass er mal direkt ein paar weitere Jahre die Leute aus dem Stadion vergraulen kann. Zum Glück ist für ihn spätestens im Oktober Feierabend und wir können mal wieder nur hoffen, dass die Herren endlich mal ungewollt ein Glückslos aus all den Nieten ziehen werden.

  2. Topanalyse im Gastbeitrag. Findet man so in keiner Zeitung. Zum Glück hier. Die Mannschaft war verheerend auf- und eingestellt. Vollmann hat sich gefreut. Spätestens im November werden wieder zwei Trainer bezahlt. So muss das wohl sein bei der geballten sportlichen Kompetenz unserer Fuehrungskombo. So ist er halt, mein SCP.

  3. Absolut treffender Beitrag! Offensichtlich hat der Coach den eigenen Auftritt in ROSTOCK komplett aus seinem Gedächtnis gestrichen, dort zeigte der SCP, wie es geht. Mutlos, unorganisiert, durchschaubar, ein ganz schlimmer Auftritt, taktische „Finessen“ aus den 80ern vom Stil Timo Konietzkas. Personalentscheidungen, die das Leistungsprinzip außer Kraft setzen, das „offene Rennen“ um den Goalie ist ein Treppenwitz. Es rächt sich immer wieder, das keine sportliche Kompetenz an Bord ist.

  4. Doom & Gloom, aber irgendwie auch verständlich. In der Mannschaft ist seit 1,5 Jahren keine Siegesmentalität vorhanden, der verschenkte Aufstieg bleibt eine große Schmach, das Auflaufen lassen von Dotchev vor einem Jahr (auch wenn er zahlreiche Fehler gemacht hat) ist unvergessen.
    Mit Loose ist ein Trainer am Werk, der von der Mentalität her sehr zu vielen (Führung-)akteuren passt. Da ist zum einem der Verwalter, der Besitzstandswahrer in ihm, der durch den Kapitän fleischgeworden auf dem Platz steht.
    Und dann der menschliche Part in ihm, für den Fußball in Münster eher ein nebensächliches Geschäft ist. Fünf Wochen Abwesenheit von Münster nach Saisonende, das ist schon ein Hammer. Auf dem Platz hat er da in Kevin und Daniel gute Abbilder, Fußball macht man halt, aber das Leben außerhalb ist einfach wichtiger.
    Der Gratzer, Schuldzuweiser, herzlich willkommen, Herr Schmidt!
    Der zu Höherem berufene, Marcus Piossek.
    Dieses Spielchen lässt sich beliebig fortführen.
    Es ist eine traurige Wahrheit, dass dieser Verein es im Augenblick einfach nicht besser verdient. Die Fehlerzahl bspw. seit dem verpatzten Aufstieg ist so unfassbar, da wird der wirtschaftliche Vorteil zur Konkurrenz durch Inkompetenz in der Leitungsebene aufgefressen.

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