Wie man eine Saisoneröffnung besser nicht macht…

Wie man eine Saisoneröffnung besser nicht macht…

Jaja, hinterher meckern ist immer leicht und natürlich geht nicht die Welt unter, nur weil irgendwo in Deutschland ein Drittligist seine „offizielle Saisoneröffnung“ in den Sand setzt. Aber wenn man schon übers Wetter stöhnt und sonst gerade kein Sport stattfindet, darf man eben auch noch einmal über diese eigenartige Veranstaltung sprechen, die der SC Preußen Münster da am Samstag hingelegt hat.

So richtig schlau wird man dieser Tage nicht aus dem SC Preußen. Anfang Juni war die Euphorie groß – dank Bayern München. Dauerkartenrekord, Sponsoren-Boom, lauter schöne Nachrichten rund um den heimischen Klub. Was immer den Verein dann geritten haben mag – manchmal wünschte man den Verantwortlichen einen Berater. Oder Hilfe. Oder die Bereitschaft, sich wenigstens helfen zu lassen.

Zunächst die Kommunikations-Katastrophe mit dem „Maßnahmenkatalog„, der die Stadionordnung zu neuer Blüte bringen wird. Sachlich begründet, aber veröffentlicht bis zu einem Grad der Unsensibilität, der schmerzt. Und zwar schmerzt, weil solche Desaster mit ein bisschen gutem Willen, ein paar einfachen Gedankengängen zu verhindern wären. Jetzt steht der Klub wegen Maßnahmen in der Kritik, die er sich nicht allein ausgedacht hat und die zudem nicht freiwillig umgesetzt werden müssen. So leicht wäre das zu verhindern gewesen…

Und dann die „offizielle Saisoneröffnung“. Die sicher schlechteste Saisoneröffnung, seit es diese Veranstaltung gibt. Eine trostlose Sache vor vielleicht 150 Zuschauern, lieblos nach 21 Minuten beendet. Zwei Moderatoren, die schlecht vorbereitet waren und noch schlechtere Fragen stellten.

Da musste ein Philipp Hoffmann zu der Nichtigkeit Stellung beziehen, ob jetzt die Bruchbude in Saarbrücken oder das Stadion in Münster schöner sei… wirklich? Die Trikotnummer von Michael Holt (und die von Zenga war falsch) wusste niemand – das ist doch unwürdig angesichts der ohnehin schwierigen Lage, in der sich der Spieler befindet. Holt schlich folgerichtig wie das fünfte Rad am Wagen auf die Tribüne und irgendwelche Fragen hatten die Modeatoren natürlich auch nicht. Und dass Erik Zenga gefragt wurde, ob er nun Osnabrück oder Münster vorzieht… Da passte es ins Bild, dass Trainer Ralf Loose zuerst Arminia Bielefeld zum Saisonfavoriten kürte und auf Pfiffe der Fans dann genervt reagiert: Man könne am Ende der Saison ja wieder sprechen. Unsouverän. Unlocker.

Höhepunkt Torwand

Sagenhafte 21 Minuten hetzten zwei Moderatoren durch die Mannschaftsvorstellung und hatten dabei gerade Zeit, um mit einer Handvoll Spielern zu reden – über Belanglosigkeiten. Wenn es wenigstens witzig gewesen wäre.

Und dann war Schluss. Das Fanprojekt hatte seine Radio-Technik aufgebaut – mehr gab’s aber da nicht zu bestaunen. Eine traurige Torwand am Rand, die niemand nutzte – ansonsten durften sich die wenigen Fans die Zeit im Schatten am Getränkestand vertreiben. Keine Hüpfburg, keine Schminktische, keine Sponsoren mit Ständen, keine Live-Musik, keine Talk-Runde mit Präsident – und warum war das offenbar so undenkbar, dass der Präsident die offizielle Saisoneröffnung zu einer offiziellen Begrüßung nutzt? Keine Tipprunde für den ersten Spieltag, keine Trikotverlosung. Nichts. Keine Idee.

Wenn der Verein mit dem Versand der rund 4.300 Dauerkarten offensichtlich mehr als ausgelastet war, das Rostock-Spiel in der Pipeline – dann hätte man besser die Finger von dieser Form der Saisoneröffnung gelassen oder sich einfach Hilfe gesucht. Rund um diesen Verein gibt so viele Hilfswillige, so viele Ehrenamtliche, so viele Fans, die liebend gern mit angepackt hätte und die das in der Vergangenheit unter Beweis gestellt haben – wenn man sie bloß gefragt hätte!  Vielleicht sollte der Klub doch noch einmal über eine Idee nachdenken, die schon vor vielen Jahren angeregt wurde: eine Freiwilligen-Kartei mit Fans. Wer hat Lust, mitzumachen? Wer kann was? Wer kann Kontakte herstellen?

Gibt es eine bessere Idee, um eine echte Verbindung zwischen Fans und Verein zu schaffen – als sich gegenseitig zu helfen? Muss man da immer das Beispiel Union Berlin bringen? Es gibt in Münster so viele Möglichkeiten, aber man muss eben auch mit etwas Fantasie zu Werke gehen.

Dass sich vor Spielbeginn dann auch der „niederländische Erstligist“ SC Heerenveen in eine U23-Mannschaft verwandelte, spielte auch keine Rolle mehr.

Es war am Ende eine überflüssige und verschenkte Vorstellung. Und so betrachtet war es auch wieder gut, dass nur ein paar hundert Fans überhaupt Lust hatten, den Tag auf Preußen zu verbringen.

Übrigens: Bier wird möglicherweise teurer in der neuen Saison… würde ins Bild passen.

 

 

Nachtrag: Dass die Saisoneröffnungs-Feiern im Preußenstadion in der Vergangenheit selten sonderlich gut vorbereitet waren, soll nicht in Vergessenheit geraten. In den Jahren 2012 und 2013 war auch nur eine Bühnenpräsentation vorhanden – lediglich im Aufstiegsjahr 2011 war es ein echtes Stadionfest mit entsprechendem Drumherum. 2014 dürfte allerdings wirklich als Tiefpunkt durchgehen.

 

 

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Wie man eine Saisoneröffnung besser nicht macht…

  1. Nun ja, es war nicht so, das wir nur die Radiotechnik aufgebaut hatten. Es würde den ganzen Vormittag live gestreamt, Stimmen eingeholt, etc.
    Und so schlecht fand ich die beiden Moderatoren gar nicht, sondern der vorbereitete Fragenkatalog war wohl eher dürftig. Getreu dem Motto, es kann nur besser werden, würden wir es uns gerne auf die Fahnen schreiben, die nächste saisoneröffnung (mit)vorzubereiten. Man hätte (uns) einfach mal fragen sollen…
    Gruß das Fanprojekt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s