Das Fanprojekt Münster bleibt das Fanprojekt bleibt das Fanprojekt…

Das Fanprojekt Münster bleibt das Fanprojekt bleibt das Fanprojekt…

Über das Fanprojekt des SC Preußen milde zu lächeln war vor gar nicht allzulanger Zeit noch eigenartig en vogue. Und den Spott gab’s eigentlich ausschließlich, weil die Organisatoren mit der Organisation schlecht ausgelasteter Bustouren und gelegentlichen Grillfesten und Weihnachtsfeiern reichlich zu tun hatten. Und zu mehr schien das Fanprojekt auch nicht mehr geeignet. Zumindest war das die Außenwahrnehmung.

Aber wie so oft im Leben: Wenn etwas „draußen“ so empfunden wird, gibt’s irgendwo einen Haken. Tatsächlich trat das Fanprojekt im Grunde gar nicht mehr als das in Erscheinung, was der Name versprach: als Anlaufstelle für Fans, eine Art Sprachrohr für die Belange der Fans. Mit Bustouren und Grillfeiern war der relevante Teil abgehakt, das Fanprojekt galt mehr als Dienstleister.

Und weil sich viele nicht mehr vertreten fühlten oder schlimmer noch: den Sinn des Fanprojekts nicht mehr sahen, setzte der Exodus ein. Der Rückhalt in der Fanszene bröckelte und schwand – und schon war das Fanprojekt nicht mehr als ein lustiger Haufen schräger Fans, über die man eben (siehe oben) bestenfalls noch lächelte.

Noch einmal: So in etwa gestaltete sich der Eindruck von außen.

Seit einiger Zeit wandelt sich das Bild. Das Fanprojekt setzt neue Prioritäten, hat sich neu geordnet, sich echte Strukturen gegeben. In Teams arbeiten Fanprojekt-Mitglieder zusammen (Finanzen, Öffentlichkeit, Fanradio, Bustouren etc.). Das schafft mehr Effektivität. Und endlich nimmt man das Fanprojekt auch wieder als Sprachrohr wahr. Rund um das Derby gegen Osnabrück bezogen die Mitglieder zuletzt öffentlich Stellung, kritisierten die damals von der Polizei geforderten Fahnenverbote. Hinter den Kulissen, abseits der Öffentlichkeit, diskutiert das Fanprojekt mit Verein, Polizei und Ordnungsdiensten über Stadionverbote, über Pyro und andere Themen.

Und auch Teile der Fanszene, die sich längst abgewandt hatten, suchten zuletzt zumindest das Gespräch.

Im Dunstkreis des Fanprojekts entstand dann vor etwa dreieinhalb Jahren eine Initiative, die im Verein einen Fanvertreter installieren wollte. Der erste Versuch war eine Satzungsänderung – Kandidaten für den Aufsichtsrat sollten sich direkt den Mitgliedern zur Wahl stellen dürfen und nicht erst vom Ehrenrat geprüft und dann „freigegeben“ werden. Der Antrag, obwohl ausdrücklich nicht als Misstrauensvotum gedacht, scheiterte im Dezember 2012.

Auch der von der Initiative unabhängige Preußenfan Janos Metz scheiterte mit seiner Bewerbung um einen Platz im Aufsichtsrat.

Initiative für Fanrat

Die Initiative blieb am Ball, dann aber mit dem Wunsch, zumindest einen Fanvertreter als Gast bei Vorstandssitzungen unterzubringen – was mittlerweile ein-, zweimal geschehen ist. Weitere Pläne folgten – immer mit dem Ziel, den Belangen der Fans im Verein mehr Gehör zu verschaffen.

Im Sommer 2013 wurde das Projekt „Fanrat“ vorgestellt. Gewählt von Mitgliedern des Fanprojekts, sollte der als Ansprechpartner für den Verein gelten. Der Fanrat sollte die Sorgen, Nöte, Anregungen, auch die Kritik aus Fankreisen an den Verein weitervermitteln.

Und hier wird es spannend: Als Voraussetzung für die Akzeptanz eines solchen Fanrates – sowohl auf Vereinsseite wie insbesondere auch in Fankreisen – würde gelten: Das Fanprojekt muss von der Fanszene als relevante Einrichtung verstanden und respektiert werden. Und das würde nur gehen, wenn sich das Fanprojekt bewusst der Szene öffnen würde. Ein Stück mehr Distanz zum Verein würde dabei helfen. Und deshalb sollte das Kind einen neuen Namen erhalten, um diese Änderungen auch nach außen wirksam zu transportieren. Nicht mehr Fanprojekt (was ohnehin zu ständigen Missverständnissen mit Münsters sozialpädagogischem Fanprojekt FANport führt), sondern mehr eine Fanclub-Verband, eine Fanabteilung.

Angedacht als eine Art Dachverband für die gesamte Fanszene – so schwierig das überhaupt zu installieren wäre. Nicht ganz ohne Grund sind ähnliche Konstrukte in anderen Klubs nicht immer erfolgreich. Seit einigen Jahren erlebt beispielsweise der Schalker Fan-Club-Verband SFCV, dass es schwer ist, für alle Fans zu sprechen.

Doch für Münster wäre es einen Versuch wert (gewesen?).

Über diesen Weg verständigte sich die Mitgliederversammlung im Sommer 2013. In der offiziellen Mitteilung des Fanprojekt fiel das Echo auf die geplanten Veränderungen positiv aus.

Das Fanprojekt wird seinen Namen ändern. Da es häufig Verwechslungen mit den Sozialpädagogischen Fanprojekten (in Münster Fanport) gibt, und ein neuer Name auch Zeichen eines Aufbruches des Fanprojektes zu neuen Ufern darstellen soll, wird der Name an den Fanport übergeben, wenn dieser ihn will. Dieser Namensänderungsprozess wird eine Weile dauern, den neuen Namen sollen die FP-Mitglieder mitbestimmen dürfen.
Durch die Integration des Arbeitskreises mitsamt seiner Ideen und Ziele in die Arbeit des Fanprojektes will sich dieses breiter aufstellen und vor allem für die Mitglieder der sogenannten aktiven Fanszene (Ultras, Arbeitskreis Gemeinsame Kurve etc.) attraktiver werden. Im Ergebnis soll ein runderneuerter Dachverband aller Fans in Münster entstehen, der seinem Credo „Von Fans für Fans“ noch viel mehr gerecht wird als in den vergangenen 13 Jahren.

Ein Jahr später gelten diese Sätze als zumindest missverständlich. Klar ist: Die Mitgliederversammlung fällte damals keine Entscheidung – schließlich war in der Tagesordnung gar kein entsprechender Antrag enthalten. Das Votum der Mitglieder durfte aber als klarer Auftrag verstanden werden – und so klang es damals ja auch.

Tatsächlich war aber gerade der „äußere“ Teil der Namensänderung intern mehr als umstritten. Dem Vorstand gelang es ein ganzes Jahr lang nicht, sich über dieses Thema zu einigen, ein neuer Name schien schwerer zu ermitteln als sonst irgendetwas.

Das Fanprojekt arbeitete an seinen neuen Strukturen, aber die ursprünglich enthusiastisch angedachten echten Änderungen in der Selbstwahrnehmung gingen offensichtlich unter. Erst Ende Mai verschickte das Fanprojekt einen Brief an seine Mitglieder. Die Fragen darin war aber nur noch ein Rest der eigentlichen Idee. Fanabteilung oder weiter Fanprojekt – wie soll das KInd heißen? In dieser Frage steckt eben nicht der Mut zur Veränderung, sondern nichts weniger als die Uneinigkeit im Fanprojekt-Vorstand.

Nicht alle durften konnten entscheiden

Und schlimm genug: Nicht einmal alle der offiziell 720 Mitglieder erhielten dieses Schreiben – mangels vernünftig gepflegter Adress-Datenbank. Völlig offen, wie viele der Mitglieder überhaupt die Chance hatten, an der Meinungsbildung mitzuwirken.

Ohnehin fiel die Teilnahme ausgesprochen mau aus. Ganze 101 Antworten gingen ein, heißt es am Montag (23. Juni) in einer Mitteilung. Von den 101 stimmten 51 gegen eine Umbenennung, 42 dafür, sieben reichten alternative Namensvorschläge ein. Am Ende also 49 Ja-Stimmen gegenüber 51 Nein-Stimmen.

Und der Vorstand des Fanprojekts wertete das als nicht belastbare Grundlage für eine Umbenennung – und erklärt schlicht, für ihn (den Vorstand) sei das Thema damit beendet.

Der Vorstand ist sich somit einig, dass es für einen so schwerwiegenden Schritt wie die Namensänderung derzeit keine ausreichende Unterstützung seitens der Mitglieder gibt.

Das ist eine seltsame Logik. Der Vorstand des Fanprojekts erklärt, man müsse davon ausgehen, dass der Rest der Mitglieder stillschweigend den Status Quo bevorzuge. Könnte es auch anders sein? Dass die schweigende Mehrheit entweder dem Thema überhaupt keine Relevanz zuordnet oder gar einer Umbenennung zustimmen würde – und andernfalls widersprochen hätte?

Es ist immer schwierig, das Votum einer „schweigenden Mehrheit“ einzuschätzen, aber derart kategorisch für diese Mitglieder zu entscheiden, wirkt doch etwas wunderlich.

Namen sind Schall und Rauch

Auf der anderen Seite: Vielleicht ist die Aufregung über diese Entscheidung ohnehin unangebracht. Wie das Fanprojekt letztlich heißt, ist ja am Ende viel weniger entscheidend als die Frage, wie es arbeitet. Angesichts der Aktiven im Vorstand ist es weiß Gott nicht unvorstellbar, dass sich das Bild des Fanprojekts in der Fanszene weiter (positiv) verändert. Und das wäre ja dann im Grunde der echte Erfolg – Name hin oder her.

Und mehr noch: Mit der – allerdings sehr eindeutigen – Positionierung des Vorstands ist das Thema ja nicht vom Tisch. Es steht jedem Fanprojekt-Mitglied frei, das Thema auf der demnächst anstehenden Mitgliederversammlung erneut anzusprechen, sogar eine Entscheidung zu beantragen.

Angesichts der üblichen Teilnehmerzahlen an solchen Mitgliederversammlungen würde sich dann aber die Frage nach der Aussagekraft einer möglichen Entscheidung erst recht stellen. Andererseits ist aber die Mitgliederversammlung nun einmal der Souverän in einem Verein. Wer dieses Recht zur Beteiligung nicht wahrnimmt, legt seine Stimme bewusst in die Hände der Versammlung – und muss deren Votum dann eben akzeptieren.

Das würde im Fall einer Entscheidung ja auch für den Vorstand gelten, selbst wenn der aktuell keinerlei eigenen Anlauf unternehmen würde. Spannend bleibt’s allemal.

 


 Weitere Links

preussen-forum: Kommentar zum Thema

westline-Forum: Thread zum Thema

 

 

Disclaimer

Ich selber bin seit vielen Jahren Mitglied im Fanprojekt, obwohl ich persönlich keinerlei Nutzen daraus ziehe. Ich halte die Arbeit eines Fanprojekt allerdings grundsätzlich für wichtig und zahle den Beitrag daher vor allem aus „Solidarerwägungen“. 

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