Wahlkampf ums Preußenstadion (und ein Rückblick)

Wahlkampf ums Preußenstadion (und ein Rückblick)

Wir stecken im Wahlkampf, noch bis zum Sonntag. Dann ist Ruhe bis 2020 – denn in NRW wird erst in sechs Jahren wieder gewählt. Frech formuliert: Zeit genug also für alle Parteien, ihre Wahlversprechen zu vergessen. Zum Beispiel, wenn es ums Preußenstadion geht…

So viel wie seit 2011 wurde übers Stadion an der Hammer Straße in zehn Jahren davor nicht gesprochen. Nach dem „Aus“ für den Preußenpark und den juristischen „Nacharbeiten“ war ab 2002 erst einmal das große Warten angesagt. Zunächst war das Thema verbrannt, dann machte die Standortsuche für einen Neubau wenig Freude, dann war der SCP fast pleite und stieg zu allem Überfluss 2006 ab. Wer da über ein Stadion fantasierte, war schnell unten durch.

Der Drittliga-Aufstieg aber brachte Leben in die Bude (und zwar durch steigende Zuschauerzahlen wie in der Diskussion). Und jetzt, im Schlussspurt des Kommunalwahlkampfes, mühten sich auch alle Parteien redlich, ein paar freundliche Worte über den SCP und sein Stadion zu verlieren. In den Westfälischen Nachrichten (Donnerstagsausgabe) waren alle (vollwertigen) Ratsfraktionen (CDU, SPD, Grüne und FDP – alle übrigen Parteien wie Linke, ÖDP, UWG und Piraten bilden mangels Vertretern keine Fraktionen) optimistisch, dass bis zur nächsten Kommunalwahl mindestens eine neue Westtribüne stehen werde. Einzig die „Grünen“ rangen sich nicht zu einem „Ja“ als Antwort durch – sie verwiesen auf den SC Preußen als Schlüsselspieler. Wenn der Klub Miete zahle, könne das gehen.

Dennoch: Im Grunde herrscht große Erleichterung in Münsters Rat. Das Thema Stadion hat endlich Planungssicherheit vor Augen, das Thema kann positiv besetzt und dann in absehbarer Zeit endlich beendet werden.

Wie belastbar aber alle freundlichen Aussagen sind, wird sich erst nach der Sommerpause zeigen, wenn sich der neue Rat gefunden hat und wenn die Parteien gezwungen sein werden, das Thema „Preußenstadion“ noch einmal aufzugreifen.

Wie wankelmütig Münsters Politik gelegentlich ist, offenbart ja ein einfacher Blick in die Diskussion. Im Sommer 2003 war ein Stadionneubau noch Thema – Stichwort „Nieberdingstraße“. Im Juli 2003 reichte die SPD dazu einen eigenen Antrag ein. Darin der bemerkenswerte Satz: „Der Rat möge beschließen, die Realisierung eines Stadionneubaus als kommunale Aufgabe zu begreifen.“

Aha.

Möchte jemand wissen, wie die SPD im Frühjahr 2014 klingt? „Für uns ist mit den Investitionen in die Westtribüne, aber auch mit der Sanierung des Stadions klar: Ein städtisches Stadion wird es nur an der Hammer Straße geben.“ (Fraktionsvorsitzender Dr. Michael Jung)

Knackpunkt hier: Der Begriff „städtisches Stadion“. Oder anders gesagt: Für einen Neubau ist die Stadt nicht zuständig.

Im Rat beschlossen

Um fair zu bleiben: Das ist nicht allein Ansicht der SPD. Spätestens seit dem Bau der neuen Haupttribüne und den jüngsten Investitionen in Infrastruktur wie Rasen, Flutlicht und Stehrängen ist faktisch klar, dass das Preußenstadion an der Hammer Straße auch zukünftig Heimat der Preußen sein wird.

Ein Stadionneubau durch die Stadt ist so etwas wie ein rosa Elefant geworden. Kann man nur im Suff sehen, ist aber nicht echt.

Im Juli 2003 schrieben Münsters Politiker (mit Stimmenmehrheit durch CDU, FDP und SPD) das auch genauso in einen Ratsbeschluss, der bis heute unwiderrufen ist. Damals stellte die Stadt 5 Millionen Euro für ein Stadion (Neubau oder Sanierung) zur Verfügung. Damit sei das „aus heutiger Sicht finanzpolitisch vertretbare Projektengagement der Stadt Münster abschließend dargestellt“. Auch hier im Klartext: Wir geben 5 Millionen Euro und keinen Cent mehr. Um den Rest kümmert euch alleine.

Sicher: Das war vor elf Jahren politischer Konsens und muss nicht zwingend von einem neuen Rat ähnlich betrachtet werden. Aber die jüngste Debatte über das Stadion führt nur in eine Richtung. Erst einmal eine neue Tribüne, die der Verein durch Mietzahlungen finanziert, und alles andere ist dann nicht mehr Sache der Stadt. Der Gedanke, die Stadt Münster könne sich zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft verantwortlich fühlen für die Errichtung einer modernen Spielstätte, ist fast skurril abseitig.

Missverständliche Aussagen

Dass die SPD gerade mit einigen merkwürdigen Aussagen in Münsters Presse zitiert wurde, hat der Sache nicht geholfen. Während einer Veranstaltung im Jugendzentrum Berg Fidel hatten SPD-Vertreter erklärt, ein Tribünenbau werde erst in „einigen Jahren“ ein Thema sein und dann war zu lesen, dass die SPD den Standort Nieberdingstraße für nicht mehr „erforderlich“ halte. Spätestens mit dem Bau einer Westtribüne müsse eine „dauerhafte Festlegung“ auf die Hammer Straße erfolgen.

SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung ruderte gegenüber westline.de zurück: Gemeint sei lediglich, dass an der Nieberdingstraße kein „städtisches Stadion“ entstehen werde. Im Flächennutzungsplan könne der Standort „unverändert“ erhalten bleiben. Eine Aussage, die irgendwie sinnlos erscheint, wenn die SPD zugleich fordert, sich dauerhaft auf die Hammer Straße festzulegen, aber geschenkt. Hü und hott, so geht das in Münster leider oft, wenn es um das Stadion geht.

An der im Herbst bevorstehenden Entscheidung in Sachen Westkurve lässt sich immerhin ein Belastungstest für die Wahlkampfaussagen durchführen.

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