Heute vor 50 Jahren: Das letzte Bundesligaspiel des SC Preußen Münster

Pohlschmidt. Lungwitz. Lulka. Drei Namen, vier Tore. Die letzten Tore, die Preußen Münster in der Bundesliga erzielt hat. Heute, am 9. Mai 2014, ist das genau 50 Jahre her. Münster gewann zwar sein Heimspiel gegen Hertha BSC mit 4:2 – aber den Abstieg verhinderte das Ergebnis nicht mehr. Ein Punkt fehlte am Ende auf Karlsruhe oder Hertha. Ein Punkt.

Der Abschied besiegelte auch einen einsamen Rekord: Von allen Gründungsmitgliedern der Bundesliga ist Münster bis heute das einzige, das nie zurückkehrte. Nur noch 3.000 Fans wollten den Abschied live im Stadion erleben – auch so eine Geschichte aus der Frühzeit des Profi-Sports. Übrigens: Noch weniger, nur 1.500, erlebten 1991 den Abschied aus der 2. Bundesliga. Münster unterlag Mainz mit 2:3. Jürgen Klopp kickte noch für Mainz.

1964, beim Erstliga-Abschied, stand noch so ein interessanter Name in der Aufstellung. Es war Otto Rehagel, der für Hertha BSC in Münster auflief.

Aber Geschichten gibt es auch abseits davon. In Münster wurde damals viel gesprochen über einen vermeintlichen Bestechungsskandal. Hauptbeteiligte: Hertha BSC und der Spielervermittler Raymond Schwab.

Vor dem Spiel beim VfB Stuttgart (20. Spieltag) meldete sich Preußen-Stürmer Manfred Rummel bei Trainer Richard Schneider. Man habe ihm 3000 Mark angeboten, wenn er im Spiel eine Verletzung vortäusche. Schon zu diesem Zeitpunkt der Saison, Mitte Februar 1964, deutete sich ein direktes Duell zwischen Hertha BSC und den Preußen an. Beide Klubs lagen mit 13:27 Punkten gleichauf – Hertha über dem „Strich“, Münster auf dem ersten Abstiegsplatz.

Eine Schwächung für Münster wäre der Vorteil der Hertha gewesen. Und so schlugen die Wellen hoch.

Jedoch: Münster gewann in Stuttgart überraschend deutlich mit 4:2. Anschließend, so Rummel, habe es einen zweiten Anlauf gegeben. Diesmal habe Schwab 5000 Mark geboten, wenn Rummel im Spiel gegen Kaiserslautern eingreife. Rummel lehnte erneut ab – und die Preußen gewannen auch das Spiel gegen den FCK mit 1:0 (und zogen an Hertha BSC vorbei).

Das Ende ist bekannt. Es reichte nicht für Münster und die ganze Sache wurde nie geklärt. Schwab und Hertha bestritten jede Beteiligung. Doch ein Zweifel bleibt: Schwabs wirtschaftliche Situation war eng mit dem Klassenerhalt von Hertha verknüpft. Mit den Berlinern hatte Schwab verschiedene Spielervermittlungen geplant – aber eben nur in der Bundesliga.

Münsters weiterer Weg ist hinlänglich bekannt. Die Preußen hielten sich bis zur Einführung der eingleisigen 2. Bundesliga in der zweithöchsten Spielklasse, rutschten 1981 in die drittklassige Oberliga Westfalen. Befreiten sich 1989 für zwei Jahre und kehrten zurück in die 2. Liga, stiegen 1991 erneut ab, durchlitten traurige Jahre in der Drittklassigkeit (Regionalliga West/Südwest), qualifizierten sich für die zweigleisige Regionalliga Nord, wurden 2006 erstmals viertklassig, kehrten 2011 zurück in die heutige, neue 3. Liga. Ein Galopp durch Jahrzehnte…

 

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