Ralf Loose bleibt Trainer in Münster – vielleicht bis 2016

Es hat etwas gedauert, aber nun haben alle Klarheit. Ralf Loose bleibt auch weiter Trainer des SC Preußen Münster. Auf dem Papier bis 2016, aber das muss in Münster (und im Grunde auch bei allen anderen Klubs) nicht zwingend viel bedeuten. Die Personalie ergibt natürlich Sinn, zeigt aber auch ein paar Unstimmigkeiten.

Zunächst: Natürlich hat Ralf Loose am Ende viele gute Argumente. Tatsache ist: Er stabilisierte die Preußen in der Rückrunde und holte mit der Mannschaft bisher 27 Punkte (Stand 36. Spieltag). Zudem sicherte er mit dem 3:1 in Stadtlohn auch die Qualifikation für die nächste DFB-Pokal-Hauptrunde. Diese Bilanz ist belastbar und spricht zunächst für sich.

Aber richtig ist auch: Selbst in der Rückrundentabelle wäre der SCP weit von den direkten Aufstiegsplätzen entfernt – mindestens zehn Punkte, um genau zu sein. Das ist schon ein deutlicher Rückstand und relativiert zumindest die Zahlen.

 Verein  Tordiff.  Punkte
 1  SV Darmstadt 98  19  40
 2  RB Leipzig  15  37
 3  Stuttgarter Kickers  7  32
 4  1. FC Heidenheim  11  31
 5  Preußen Münster  4  27

Aufstiegsverdächtig war der SCP in diesem Jahr nämlich trotz aller Hoffnung nicht. Dabei darf man wohl unterstellen, dass die Marschroute bei Looses Einstellung nicht einfach der Klassenerhalt war. Loose kam nach dem 10. Spieltag zu einem Zeitpunkt, als Erfurt und Wehen Wiesbaden auf zwei Aufstiegsplätzen standen. Da war noch reichlich „Spiel“ drin in der Liga – und eben 28 Spieltage.

Es reichte am Ende für eine wirklich ordentliche Rückrunde. Zu mehr nicht, weil sich auch in den Spielen unter Ralf Loose immer wieder Schwächephasen bemerkbar machten. Auf und ab: Nach zwei (nach Toren) klaren Siegen in Chemnitz und gegen den BVB II setzte es zwei Niederlagen in Darmstadt und gegen Rostock. Dann kehrte endlich etwas Ruhe ein. Im Winter hatte sich der SCP allerdings nach wie vor nicht richtig abgesetzt. Drei Punkte auf die Abstiegsränge waren kein sicheres Polster.

Immerhin: Auf die Aufstiegsränge waren es „nur“ noch sieben Punkte. Und ganz sicher hatte die niederlagenlose Serie vor der Winterpause auch im Verein die Hoffnungen und Ansprüche wachsen lassen. Sieben Punkte in 17 Spielen… zumindest der Relegationsplatz war in Sichtweite und war mindestens ebenso sicher auch ernsthaft angepeilt.

Das Ende ist ja bekannt: Münster legte einen ziemlich verpatzten Start ins Jahr 2014 hin und das Thema Aufstieg war damit endgültig beendet. Klassenerhalt lautete jetzt auch offiziell die Dienstanweisung und aus der Nummer brachte Ralf Loose das Team sicher heraus.

Welchen Anteil letztlich die Episode Detlev Dammeier hatte, lässt sich nicht klären. Das Verhalten des Teams und die öffentlichen Aussagen von Spielern lassen den Schluss zu, dass Team und Trainer mindestens eine Zweckgemeinschaft bildeten, vielleicht sogar zu einem wirklich besseren Verhältnis kamen. Ein gemeinsamer „Feind“ schweißt eben zusammen.

Wie auch immer. Die öffentlich nachlesbaren Äußerungen im Zusammenhang mit der Vertragsverlängerung deuten zumindest eine gewisse Skepsis zu Beginn an. Loose habe erst nach „einer Anlaufphase“ gezeigt, dass er die Mannschaft führen könne – so wird Sportvorstand Carsten Gockel zitiert. Auch der Trainer habe „erst in Münster ankommen“ müssen, so Präsident Marco de Angelis. Loose habe sich mit „seiner Art und Weise durchgesetzt. Das gilt es zu respektieren“, so de Angelis.

Das lässt zumindest Raum für Spekulation. Und die lauten: Die sportliche Darstellung der Mannschaft wird sicher im Vereinsvorstand gelegentlich Fragen aufgeworfen haben. Und warum auch nicht? Das Publikum selbst wunderte sich ja in den ersten Wochen und Monaten oft genug über Spiele praktisch ohne Torchancen für den SCP, über Taktik und Wechsel. Und zumindest als leise Kritik kann man formulieren, dass es Ralf Loose nicht gelungen ist, Münsters fraglos beste Fußballer Mehmet Kara und Amaury Bischoff nachhaltig zu integrieren. Dass beide auf der Bank in der 3. Liga grundsätzlich verschenkt sind, müsste eigentlich unstrittig sein.

Und interessanterweise fällt auch das Echo in den Kommentaren von MZ und WN am Mittwoch eher durch Pragmatismus auf als durch übertriebene Euphorie. „Loose hat sich diese Chance verdient“, kommentiert Thomas Rellmann (Münstersche Zeitung). „Das passt alles – für den Moment“, kommentiert Alexander Heflik (Westfälische Nachrichten).

Chance. Für den Moment.

Übersetzt bedeutet das: Angesichts der Zahlen auf dem Papier wäre jede andere Lösung als eine Vertragsverlängerung mit Ralf Loose schwer vermittelbar gewesen. Aufgabe erfüllt zur vollen Zufriedenheit. Befriedigend bis gut. Mit der Hoffnung auf eine Weiterentwicklung. Das ist alles in Ordnung so.

Und dennoch bleibt da dieser Restzweifel – auch an dem Kurs, den der SCP einschlägt. Es wirkt einfach vieles zu beliebig, zu wenig klar, ja fast ein wenig zu ängstlich.

Nur einen Einjahres-Vertrag wollte der SCP eigentlich eingehen, so ist es am Mittwoch zu lesen. Mit der typischen Option im Aufstiegsfall. Das spricht zum einen für eine gewisse Achtsamkeit des Vorstands, der sich eine weitere finanzielle Hängepartie im Fall einer Trennung ersparen wollte. Es spricht aber eben auch nicht für eine übertrieben optimistische Erwartung des Vereins.

Und noch weniger spricht es für einen wirklichen Plan. Als der SCP 2011 ins „Abenteuer“ 3. Liga startete, war die Marschroute klar. Erst einmal ankommen in der Liga. Sich etablieren. Das war das Mantra, das Sportvorstand Carsten Gockel seinerzeit überall verbreitete.

Dann kam die Episode Fascher, der in einer Situation entlassen wurde, die eigentlich viel weniger dramatisch wirkte als zeitweise in diesem Jahr. Dann folgte Dotchev. Dann kam das Jahr 2012 und ein bemerkenswert fulminanter Saisonstart, der im Rückblick eine gewisse Eigendynamik hervorrief. Dass der SCP 2012/2013 (deutlich?) über seinem Können agierte, dürfte jetzt kaum noch bestritten werden.

Ziel 2014: Aufstieg

Dennoch war es im Sommer 2013 nachvollziehbar und verständlich, dass der SCP ganz offiziell das Ziel Aufstieg für 2014 ausgab. Mindestens besser als 2012/2013 wolle man abschneiden, erklärte Marco de Angelis beim Trainingsauftakt. Und ganz ehrlich: Die Personalien Manno und Piossek allein sorgten in Münster für viel Vorfreude. Im Nachhinein lässt sich alles mögliche interpretieren, aber im Sommer 2013 war die allgemeine Stimmungslage ganz eindeutig. Keine „Binnen-Euphorie“ übrigens – schließlich war sich auch die Trainergilde der 3. Liga sicher: Der SCP würde ganz weit oben landen. Damals schien der Fortgang von Nazarov verschmerzbar zu sein – auch wenn schon leichte Zweifel an der Offensivfähigkeit zu hören waren. Aber all das ist erst im Rückblick klarer. Im Sommer 2013 war wenig davon zu lesen.

Aus dem „ankommen in der 3. Liga“ war also optimistisch-ambitioniert ein „Wir wollen hoch“ geworden. Und jetzt, nach einem insgesamt enttäuschenden Jahr und zwei Trainerentlassungen 2012 und 2013, geht’s im Galopp wieder zurück. Ja, die 2. Liga ist schon irgendwo noch das Ziel. Sicher, demnächst. Im Auge behalten.

Jetzt steht der SCP aber wieder ganz unten an der Leiter. Jetzt ist keine Rede mehr vom Kampf um den Aufstieg, jetzt wollen alle nur wieder ganz bescheiden im oberen Tabellendrittel landen. Vorsichtig mit Festlegungen, vorsichtig mit Zielen. Man mag sich nicht wieder messen lassen am eigenen Mut. Und so verständlich und sinnvoll das ist, es spricht eben nicht für Konsequenz, für eine klare Linie.

Das sagt sich immer leicht, natürlich. Im Fußball ist nicht viel planbar, die 3. Liga ist tatsächlich so etwas wie eine Wundertüte – das stimmt alles. Und nur, weil man sich nicht aus dem Fenster lehnt, muss das ja nicht zugleich bedeuten, dass man sich gegen mehr Erfolg sträuben würde.

Nur: Nach außen hin vermittelt der Klub den Eindruck des Zauderns, er fährt einen Zickzackkurs, der nicht berechenbar ist. Ist das am Ende der wirkliche Unterschied zu Vereinen wie Duisburg, Rostock oder sogar Osnabrück? Es stimmt: Keiner dieser Klubs ist auf dem Papier besser aufgestellt als der SCP. Aber das Selbstverständnis, meine Güte! Mit welchem Anspruch diese Vereine mit ihren Zielen umgehen und ihre Ansprüche formulieren!

Nein: Ansprüche machen noch keinen Erfolg und natürlich kicken Osnabrück und Rostock und Duisburg weiterhin in derselben Liga wie der SCP. Aber in ihrer ganzen Ausstrahlung spielen sie in einer anderen Klasse. Schuldenfrei und happy – das sind die Preußen. Aber das bringt sie keinen Schritt vorwärts.

Risiko oder Vernunft?

Das alles rührt an fundamentale Fragen. Ist es nun besser, wirtschaftlich seriös zu handeln und einen Verein durch ruhige Wasser zu führen? Oder akzeptiert man zumindest ein gewisses Risiko – spielt dafür aber gegen Köln oder Kaiserslautern in der 2. Liga? Risiko meint hier übrigens nicht Harakiri – Insolvenz und Überschuldung ist sicher nicht der Weg.

Jetzt mal ehrlich: Die drei oben genannten Vereine stehen heute dort, wo auch der SCP steht. Aber was bringen diese Vereine für Erfahrungen mit! Münster spielte zuletzt 1991 im Profi-Fußball. Das ist schon so lang her, dass Generationen neuer Fans herangewachsen sind. Bilder vom letzten Aufstieg gibt’s fast nicht mehr in Farbe, so lang ist das her. Und während die Konkurrenz umjubelte Aufstiege feierte und nach Abstiegen Trauer trug, dabei aber unvergessliche Momente schuf, wurschtelte sich der SCP westfälisch-gemütlich durch die 3. und 4. Liga. 2001 war die 2. Bundesliga mal knapp im Blick, 2013 auch. Der Rest der Zeit versank im Mittelmaß. Das wird gern verschwiegen, wenn es darum geht, den sportlichen Vergleich ans „Jetzt“ zu knüpfen.

Das alles klingt etwas bitterer als es ist. Die Glücksmomente nach guten Spielzeiten wie 2008 oder 2011 waren ja nicht schlechter. Die Pokaltriumphe der vergangenen Jahre waren verdient. Und die 3. Liga ist doch weiß Gott kein Gefängnis mit Brot und Wasser.

Die PS landen nicht auf der Straße

Was deutlich wird, ist aber eine gewisse Ziellosigkeit. Nur durchs Erzählen entstehen keine einzigartigen Momente. Richtig ist einfach auch: Wer sich Jahr um Jahr über neue Rekord-Etats freut, aber diese (Finanz-)Power nicht aufs Spielfeld bekommt, der muss sich einfach auch fragen, ob die Mittel richtig eingesetzt sind.

Ein Stück Hoffnung gab die Installation eines Sportlichen Leiters, der in Münster praktisch seit dem Zweitliga-Abstieg gefordert wurde. Dass diese Personalie so krachend gescheitert ist, war auch kein Ruhmesblatt für den Verein – Gründe außen vor. Aber auch diese Episode zeigt wieder, wie es um den SCP bestellt ist. Die Idee ist da, das Ziel im Blick, aber Jahr um Jahr greift der Klub nach den falschen Leiter oder morschen Sprossen. Das ist doch schon augenfällig.

Zurückrudern

Im Juni 2013 schien es kurz, als bekäme der Klub jetzt ein sichtbares, wirklich konkretes Ziel. Fehler an verschiedenen Stellen führten zu einem Scheitern. Und jetzt? Jetzt geht wieder alles zurück auf Anfang. Jetzt wird zurückgerudert, bloß keine Ambitionen zeigen.

Die Ziele heute? „Überwiegend Teil der ersten Tabellenhälfte sein“ (Carsten Gockel). „Ein stressfreies Jahr oberhalb von Platz 11 mit Tuchfühlung zum oberen Drittel“ (Thomas Bäumer).

Wenn diese Aussagen tatsächlich die Erwartung der Vereinsführung wiedergeben, muss man den Klub auch daran messen, wenn der SCP im kommenden Jahr möglicherweise entspannt, aber völlig unambitioniert um Platz 10 oder 9 spielt, alle drei, vier Spiele mal verliert und die Zuschauerzahlen langsam bröckeln. Wenn dann Kritik laut wird, waren öffentliche Erwartungen und innerer Anspruch wohl doch nicht deckungsgleich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Ralf Loose bleibt Trainer in Münster – vielleicht bis 2016

  1. Ralf Loose steht als Symbolfigur für langweiligen Fußball, spießiges Mittelmaß und wendehalsiges Verhalten zum eigenen Vorteil Ralf Loose manifestiert jetzt endgültig das Bild vom biederen und
    mittelmäßigen Provinzverein! Lo:ose raus!

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