Preußen Münster gegen Kampfsportgruppe Darmstadt 0:2

Okay, der Auftritt passte am Ende irgendwie zu anderthalb verkorksten Woche. Die Fanszene in Aufruhr, eine Niederlage in Überzahl gegen Darmstadt, ja, das ging grob alles in Ordnung. Nur gut, dass Haching in Kiel klar verlor – so bleibt es bei neun Punkten Vorsprung vor einem Abstiegsplatz. Untergangsstimmung ist weiß Gott nicht angesagt.

Aber wer noch einmal verstehen wollte, warum Münster nicht ansatzweise für höhere Aufgaben in Betracht kommt, musste sich nur den Auftritt gegen Darmstadt ansehen. Die gesamte Anfangsphase des Spiels über war Münster überhaupt nicht dabei, dann war es so mittelmäßig. Selbst nach der gelb-roten Karte gegen Stroh-Engel (der Darmstadt mutmaßlich mehr fehlen wird als sein Fehlen den Preußen am Samstag half) war Darmstadt Herr im Stadion. Chancen für Münster? Naja, viel blieb im Ansatz stecken. Aber irgendeine Szene, bei der es die Fans aus den Sitzschalen gerissen hätte? Nein, wirklich nicht.

Münster wachte nach dem Gegentor zum 0:1 erst auf und zeigte Einsatz und Willen, natürlich.

Aber offensiv ist der SCP in diesem Jahr, von wenigen Spielen und Phase abgesehen, einfach nicht wettbewerbsfähig für höhere Ansprüche. Das ist nicht allein Sache der Stürmer. Schlimmer, dass kaum sinnvolle Anspiele aus dem Zentrum oder noch weiter hinten kommen. Der Spielaufbau, der schon beim Torwart beginnen sollte, ist langsam, durchschaubar. Masuchs Abschläge landen gefühlt häufiger im Seitenaus als beim eigenen Spieler. Kaum ein sinnvoller Ball geht durchs Zentrum nach vorn – erst recht, seit Amaury Bischoff völlig außer Form, dann über fünf Spiele gesperrt blieb. Von der Sechser-Position wird das Spiel auch nicht eben beschleunigt. Wenn etwas geht, dann über die Außenspieler Siegert und Grote, die das aber auch nicht gegen jeden Gegner und in jedem Spiel durchbringen. Beide erwischten gegen Darmstadt wahrlich keinen guten Tag.

Die vermeintlichen Offensivwechsel Taylor/Kara verpufften wirkungslos – wie schon zuletzt in Dortmund. Taylor reibt sich chancenlos auf und Kara ist praktisch der tragische Fall im Verein. Von der Form, die ihn einst für Zweitligist Paderborn und die erste türkische Liga attraktiv machte, ist nichts mehr vorhanden. Gegen Darmstadt leitete er in seiner einzig relevanten Szene das Gegentor zum 0:2 ein.

Nein, diese Mannschaft steht in der Tabelle exakt, wo sie hingehört. Irgendwo zwischen Gut und Böse, Mittelmaß eben.

Ein bisschen ärgerlich, wenn man dann doch nach dem Unwohlsein fahndet, ist die Niederlage ausgerechnet gegen Darmstadt. Über alle bisherigen Spiele betrachtet, darf Darmstadt sicher als Angstgegner der Preußen gelten, immer noch. Die Truppe zeigte gegen Münster nie irgendeinen vorzeigbaren Fußball und fiel auch am Samstag wieder durch ihr eher rustikales Spiel auf – aber am Ende hat Münster eben selbst keine bessere Argumente. Also was soll’s.

 

Irgendwie spannender als das nervige Ergebnisse waren die Begleiterscheinungen. Es ist fast ein wenig absurd, aber tatsächlich wurde ausgerechnet Darmstadt erneut Zeuge schlechter Laune in Münster. Vor dem Spiel und in der Halbzeitpause schallten wieder die längst vergessen geglaubten Gesänge „Vorstand raus“ durchs Stadion. Diverse Spruchbänder begleiteten das Spiel. „Was ist los mit euch, ihr Hegels?“ war dabei möglicherweise der freundlichste. Der Rest klang weniger nett. „Ihr wollt mehr Professionalität? Dann macht den ersten Schritt und geht“ oder „Ihr verbrennt Geld, wir Pyro“ und „Wir schaden dem Verein? Das schafft ihr ganz allein!“.

Damit dürften auch die Fronten für die nächste Zeit geklärt sein. Der Buhmann gehört jetzt wieder einmal dem Vorstand, als wenn es so einfach wäre. Bemerkenswert ist es aber doch, wie binnen nur zwölf Tagen aus einer freundlich-entspannten Stimmung im Verein wieder einmal Chaos wurde. Das ist alles derart hausgemacht, dass man als Fan manchmal verzweifeln möchte.

Und sonst?

Dennis Grote wurde weder besonders gefeiert, schon gar nicht beschimpft. Ein gutes Spiel machte er dennoch nicht. Stefan Kühne musste nach einer knappen Stunde vom Feld – auch er hatte wenig beigetragen. Ralf Loose warf am Ende alles aufs Feld, was irgendwie offensiv schien, aber es half nichts. Darmstadt igelte sich geradezu spektakulär hinten ein. Wäre der SV98 kein Spitzenteam, wäre es fast etwas absurd, aber am Ende hatten die Gäste eben alle Argumente auf ihrer Seite. Den Platzverweis von Stroh-Engel weggesteckt, Münster locker in Schach gehalten, zwei Tore in Unterzahl erzielt.

Das alles spricht für Darmstadt und es spricht für die aktuelle Leistungsstärke der Preußen. So einfach ist das. Zum Glück, siehe oben, spielt das alles keinerlei Rolle mehr.

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