Preußen Münster kann auch hire & fire …

Trotzdem überrascht der SCP noch… Sechs Wochen nach der Präsentation eines neuen Sportlichen Leiters ist der schon wieder Geschichte. Ex und hopp. In der ziemlich dürren Pressemitteilung des SCP heißt es am Montag, die „Ereignisse der vergangenen Tage“ hätten dem Verein „keinen Spielraum“ mehr gelassen. Detlev Dammeier muss gehen.

Das ist witzig.

Zum einen hat der Verein seit Mittwoch wirklich fast nichts getan, um die Ereignisse in irgendeiner Form weniger unerträglich zu machen. Zum anderen offenbart das Handeln ein kapitales Missverständnis. Jetzt muss der Neue also schon wieder fort. Oder besser: muss als Sportlicher Leiter gehen. Möglicherweise, wenn die „Gespräche“ in den kommenden Tagen entsprechend verlaufen, finde sich eine andere Tätigkeit für Dammeier, heißt es weiter. Auch das ist witzig. Es ist schwer vorstellbar, dass man für Dammeier im Verein eine Position findet, die mit Spielern zu tun hat, für die er nicht nach der heutigen Entwicklung vollständig disqualifiziert wäre.

Und überhaupt – und dabei bleibt es: Wenn allein das Bild-Interview den Schaden verursacht hat, dann wird die Reaktion des Klubs irgendwie unverständlich. Den Ärger über ein forsches Interview mit dem Knallblatt „Bild“ hätte man mit einer klaren Kante beenden können. Ein Machtwort der Vereinsführung, eine klare Entschuldigung für einen verbockten Amtsbeginn, noch einmal der Mannschaft erklären, was ansteht. So vielleicht. Oder anders, es ist ja auch egal. Man darf, muss von einem Trainer und vor allem von Spielern erwarten, dass sie sich den Zielen des Vereins unterordnen. Nicht sie geben den Kurs vor, sondern der Vorstand, die sportliche Leitung.

Zusammenraufen mit Loose ging also nicht mehr? Die angeblich zerstrittene Mannschaft mit einer schadhaften Hierarchie musste sich in den vergangenen Monaten doch ebenfalls mehrfach zusammenraufen. Was dort möglich war, soll hier wirklich scheitern? Und was ist das für eine Ansage des amtierenden Trainers, der alleine die Bemerkung, seine Vertragsverlängerung genieße „nicht zwingend Priorität“ binnen weniger Stunden zu einer „Respektlosigkeit“ und „Unverschämtheit“ macht, die „nicht mehr zu kitten“ sei? Da stimmt doch die Verhältnismäßigkeit hinten und vorne nicht. So etwas sagt doch nur, wer ohnehin kein Interesse an einem Miteinander hat!

Und deshalb liegt der Verdacht nahe, dass Dammeier und Loose eben nicht miteinander „konnten“. Was wiederum die Frage aufwirft, wie gut die Personalie vor der Verpflichtung mit Ralf Loose abgestimmt war.

Jetzt hat der SCP den doppelten Schaden. Er muss eine teure Personalie abwickeln. Und muss das ganze Desaster auch noch leidlich sinnvoll kommunizieren.

Die Reaktionen, soweit überschaubar, reichen von Zustimmung bis zu Ablehnung. Beide Sichtweisen sind ja auch nachvollziehbar.

Für die Entlassung spricht das Vorgehen von Dammeier. Der Zeitpunkt für viele falsch, der Tonfall daneben, die Aussagen zu überpointiert. Ausgerechnet jene „anzupinkeln“, die noch einen sportlichen Job für den Verein zu erledigen haben – unvernünftig. Schlecht kommuniziert, weil offenbar intern nicht abgesprochen. Der Versuch, sich eine Kontur zu verpassen, ging auf vielen Ebenen schief. Leitungsfunktion zu übernehmen, bedeutet auch, zu vermitteln, nicht zu spalten. Das alles in Verbindung mit der heftigen Ablehnung durch Trainer und Mannschaft – da wird eine Zusammenarbeit eben schwierig.

Gegen die Entlassung spricht die Tatsache, dass das Interview abgesehen von seinen Schwächen inhaltlich kaum angreifbar war. Das Team verjüngen – was denn sonst im ältesten Kader der Liga? Die Hierarchie verändern? Nun, was soll denn sonst geschehen, wenn man die Mannschaft verändert? An der Spielweise schrauben? Dafür ist der Sportliche Leiter zuständig. Und in der Trainerfrage ist es nun einmal so, dass Looses Vertrag nur bis Sommer lief und dass Dammeier offenbar keine Perspektive für eine weitere Zusammenarbeit sah.

Und noch einmal: Wenn allein das Interview Anlass für den Rauswurf war, dann wirkten alle Reaktionen aus dem Verein seit Donnerstag eigenartig angefasst und übertrieben hektisch. Dann war das ein Rauswurf wegen Geschmacksfragen.

Deshalb setzt steht der Verein wieder da, wo er vor sechs Wochen begonnen hat – wieder ohne Sportlichen Leiter, das alte Problem um Carsten Gockel und seine Doppel-, Dreifachbelastung wieder akut. Kurzfristige Änderung nicht in Sicht.

Stattdessen Ralf Loose: Der gilt jetzt als Gewinner aus der Schlammschlacht. Jetzt plötzlich wird die Trainerfrage wohl doch Priorität Nummer 1. Tja, so schnell kann’s gehen. Mit Struktur oder gar einem Plan hat das natürlich herzlich wenig zu tun.

Hü und hott. Paniktrennung nach nur sechs Wochen. Man muss sich das immer wieder vor Augen halten. Vor sechs Wochen noch galt es mit Dammeier, mehr „Kraft“ in die sportliche Leitung zu bringen. Zu viel Kraft aber wohl bitte nicht. Aber es ist, wie es ist. Ralf Loose wird wohl auch 2014/2015 Trainer der Preußen sein. Detlev Dammeier wird sich verabschieden in Münster, auf die eine oder andere Art. Zurückbleiben wir dieser schale Geschmack von Niederlage. Verrückte sechs Tage, verrückte sechs Wochen. Preußen Münster hat’s immer noch drauf.

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “Preußen Münster kann auch hire & fire …

  1. Und Masuch und Konsorten können weiter ungehindert ihre Intrigen spinnen und jeden, der nicht nach ihrer Pfeife tanzt, über Indiskretionen diskreditieren.
    Bäumer und de Angelis stehen ihrer eigenen Arbeit im Weg und sind nicht in der Lage zu erkennen, dass sie selbst zu den Bauern in diesem Spiel degradiert wurden.

  2. und Grote geht zum MSV. Wäre die Verlängerung mit dem besten Mann nicht die erste Aufgabe eines sportlichen Leiters gewesen?

  3. Interessant dazu auch das Grote-Zitat auf westline: „Ich habe im Winter ganz klar gesagt, dass ich bei den Preußen bleiben möchte. Im Januar gab es dann auch ein erstes Gespräch, aber Detlev Dammeier hat mir gesagt, dass er andere Prioritäten setzt und einen anderen Spielstil bevorzugt. Erst daraufhin bin ich aktiv geworden.“
    Lange war der sportliche Leiter zwar nicht da, aber damit hat er den Preußen doch schon einen Bärendienst erwiesen!

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