Preußenstadion: Die gute Nachricht heißt „Warten“

Noch ist die Machbarkeitsstudie zum Preußenstadion nicht einmal in Schriftform vorhanden. Aber die ersten Ergebnisse sind seit Montag bekannt. Die Kernaussage in aller Kürze: Wenn die Stadt einen neuen Bebauungsplan aufstellt, könnte mit dem Neubau einer Tribüne der Schallschutz verbessert werden. Damit würde zugleich die größte Problemzone des heutigen Stadions verkleinert.

Der Nachteil: Einen neuen Bebauungsplan aufzustellen, kostet Zeit. Schon wieder. Und der Ablauf des Bauleitplanverfahrens birgt die Gefahr von Klagen, die den weiteren Ablauf im besten Fall nur verzögern, nicht gänzlich verhindern.

Wenn man so will, heißt der neue Weg: Ein Wagnis wagen, um ein erhofftes Ziel anzuvisieren, dessen Realisierung in ferner Zukunft liegt. Oder, okay, anders: Keine Ahnung, was dabei rauskommt, aber versuchen müssen wir es.

Und etwas ausführlicher

Am Montagnachmittag erfuhr zunächst der Arbeitskreis Stadion die Ergebnisse der Studie. Darin sitzen die Ratsparteien, natürlich auch der Verein. Der Arbeitskreis soll sicherstellen, dass alle das Stadion betreffenden Maßnahmen im Idealfall als Konsens zwischen den Beteiligten vereinbart werden. Parteiengezänk und Klein-Klein soll vermieden werden.

Nach der Sitzung gab es zunächst Verwirrung, zumindest aber Missverständnisse. Die ersten Aussagen von Beteiligten deuteten an, der Bebauungsplan für das heutige Stadionareal sei „unwirksam“. Das ist mitnichten so. Der bestehende Bebauungsplan ist für den Status Quo in Ordnung. Er bietet eben nur keine Möglichkeiten für einen weiteren Um- oder gar Ausbau.

Solche Rahmenbedingungen könnte eben nur ein neuer Bebauungsplan herstellen. Details dazu habe ich für westline.de hier zusammengefasst.

Zwei Fragen schließen sich hier an.

Die SPD-Ratsfraktion hatte bereits im März 2013 anlässlich eines „Bürgerdialogs Stadion“ die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für notwendig gehalten. Meines Wissens hat keine andere Ratsfraktion einen solchen Weg öffentlich diskutiert. Er wurde auch seither nicht verfolgt – weder von der SPD noch vom Rat insgesamt.

Und die zweite Frage: Seit Dezember 2000 bildet das legendäre Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zum „Preußenpark“ eine undurchdringliche Wand für alle Umbauarbeiten im Stadion. Mindestens aber schreckte das Urteil praktisch alle Beteiligten nachhaltig ab.

Schon die Errichtung der neuen Tribüne 2009 war ein Wagnis und nur gerade so eben mit dem Planungsrecht in Übereinstimmung zu bringen. Die bereits eingegangene Klage eines Anwohners wurde nur dank einer Vereinbarung zurückgezogen – der Verein musste sich auf Lärmschutzmaßnahmen verpflichten, sobald durchschnittlich 12.000 Zuschauer im Stadion zu Gast sind. 2009 ein Luxusproblem – aber ein Zweitliga-Aufstieg würde dieses Thema aktualisieren.

Dennoch: Warum brauchte es am Ende über 13 Jahre, ehe eine Studie auf die Notwendigkeit eines neuen Bebauungsplanes hinwies?

Statt die Ursachen des Problems anzugehen, verzettelte sich Münsters Politik in den Jahren ab 2000 auf ganz verschiedenen Ebenen. Die Hammer Straße schien allen „verbrannt“. Einzig ein Neubau an anderer Stelle würde Chancen bieten – das war die Haltung von Verwaltung und Politik.

Nach dem Preußenpark-Urteil war es aber zunächst nicht einmal möglich, in der gewaltigen Flächenstadt Münster einen sinnvollen Standort für einen möglichen Stadionneubau zu ermitteln. Stadthafen, Hessenweg, Nienberge – nirgends passte alles zusammen. Die panische Angst vor weiteren Problemen wie dem Lärmschutz oder der Infrastruktur hemmte alle.

Der Standort, der nach einer langen Suche dann doch entdeckt wurde, ist bis heute nur ansatzweise planungsreif – und selbst im Frühjahr 2014 noch in weiten Teilen überbaut.

Erst schwermachen, dann klagen

Münsters Rat entschied zudem im Jahr 2003, dass es nicht „kommunale Aufgabe“ sei, einem Fußballverein ein Stadion zu bauen. Fünf Millionen Euro hatte die Stadt Münster zuvor für einen Um- oder Neubau versprochen – und sich nach allgemeinem Verständnis aus ihrer Verantwortung „freigekauft“. Wenn also am nun ermittelten Standort Nieberdingstraße jemals ein Stadion errichtet werden sollte, dann müsste der Verein (oder ein Investor) das Grundstück kaufen und das Stadion dann auch gleich selbst errichten. Das sind Hürden, die auf absehbare Zeit nicht zu nehmen sein dürften, zumindest nicht für einen Drittligisten.

Um das noch einmal zu verdeutlichen: Ausgerechnet jene Politik, die heute um jeden Weg kämpfen will, den Preußen eine leidlich vernünftige Spielstätte zu ermöglichen, hat in der Vergangenheit alles dafür getan, den Weg dahin so beschwerlich wie eben möglich zu machen.

Aber genug mit dem Blick in die Vergangenheit…

Wichtig und einzig relevant ist natürlich, was vor uns liegt. Da sich der Verein mittelfristig (realistisch: dauerhaft) auf den Standort Hammer Straße „committed“ hat (wie man neudeutsch formuliert), konzentrieren sich eben alle Überlegungen auf das alte Preußenstadion. Und da ist nun einmal die teilweise gesperrte Westkurve logischer Ansatzpunkt. Wo heute Unkraut wuchert, sollen künftig einige tausend Fans überdacht sitzen können. Mit einer überdachten Tribüne könnte zudem die Lärmbelastung für die benachbarte Wohnbebauung in Berg Fidel reduziert werden – und genau das ist der Knackpunkt bei eigentlich allen Planungen rund ums Preußenstadion.

Frühestens im Spätsommer/Herbst kann ein neuer Rat der Stadt über den Einstieg ins Bauleitplanverfahren beschließen (zuvor wird bekanntlich kommunal gewählt, dann ist Sommerpause, dann muss sich der neue Rat erst zusammenfinden und einarbeiten, etc. etc.). Dann dauert es also bis Herbst 2015, ehe im Idealfall Bagger anrücken könnten.

Das aber nur unter der Prämisse, dass Verein und Verwaltung parallel die konkrete Bauplanung vorbereiten. Dass keine Klagen eingehen. Dass der gesamte Prozess klar strukturiert und zügig durchlaufen wird.

Eine Menge Wenns und Abers. Aber das sind ja nun wirklich langjährige Begleiter des SCP und seines Stadions…

 

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