0:2 in Regensburg – deshalb wird das einfach nichts

Brauchte noch wer Gründe, warum der SC Preußen Münster in der Tabelle steht, wo er nun einmal steht? Dann reicht im Grunde ein Blick auf das Spiel in Regensburg. Eine Woche nach dem energischen 2:0-Kraftakt gegen Tabellenführer Heidenheim schleppte sich (fast) identische SCP müde, ideenlos und leidenschaftslos zu einem 0:2 beim Zweitliga-Absteiger Regensburg.

Praktisch, nein – besser: Tatsächlich von Beginn an war der SCP nicht im Spiel. Regensburg übernahm die Initiative, Münster agierte steif, langsam, unkonzentriert und flüchtig. Kein Ball wurde sauber nach vorn gespielt, aus der Abwehr flattern lange Bälle unpräzise nach vorn, das Mittelfeld riss auseinander, vorne hingen die Stürmer Krohne und Benyamina bildlich gesprochen in der Luft. Das war das andere Gesicht der Adlerträger; und einiges deutet darauf hin, dass dies eher das tatsächliche Gesicht der Mannschaft ist.

Um das nicht missverständlich zu schreiben: Auf den Einzelpositionen ist der SC Preußen wahrlich nicht schlecht aufgestellt. Dennis Grote, Marcus Piossek, Benjamin Siegert, Amaury Bischoff, Mehmet Kara – sogar Matthew Taylor. An guten Tagen kann jeder dieser Spieler ein Spiel im Alleingang entscheiden. Nur zusammen geht es nicht dauerhaft gut. Aus irgendeinem Grund – und das können wohl nur Trainer und andere Experten beurteilen – funktioniert die Mannschaft zusammen nicht. Anders ist das ständige Auf und Ab ja nicht mehr erklärbar.

Dazu kommt, dass viele der Spieler ganz offensichtlich mit sich selbst beschäftigt sind. Mehmet Kara allen voran. Der Dribbler, der an Münsters Aufstieg in die 3. Liga einen so entscheidenden Anteil hatte, ist ein Schatten seiner selbst. Er verzettelt sich in Dribblings, verliert sichtlich die Lust am Spiel. Amaury Bischoff! Ein Mann, der die Chance hatte, beim FC Arsenal seinen Weg zu machen. Der nach einer teilweise überragenden Saison 2012/2013 nun der Mannschaft und auch dem Spiel keinen Stempel mehr aufdrücken kann. Marcus Piossek, der nach einer großartigen Saison in Osnabrück zunächst verletzt ankam, sich dann den Leistungen seines neuen Teams anpasste und seine Fähigkeiten nur aufblitzen lässt. Dazu Spieler wie Grote oder Siegert – die mal rein-, mal rausrotieren.

Gegen scheinbar starke oder stärkere Gegner rafft sich das Kollektiv gelegentlich auf – verlor kein Spiel gegen RB Leipzig, gewann gegen Heidenheim, holte zwei Unentschieden gegen den VfL Osnabrück. Aber insgesamt lügt die Tabelle eben nicht. Heute hüh, morgen hott. Was gestern noch nach Fußball aussah, wirkt heute plötzlich wie ein Orchester aus Stehgeigern.

In Regensburg erspielte sich der SCP über 90 Minuten praktisch keine echte Torchance. Die wenigen Szenen nach Standards waren harmlos, die eine fast echte Szene durch Robin Neuperts abgeblockten Schussversuch aus sieben, acht Metern war doch viel zu wenig.

Schon der Spielaufbau ist ein Gerippe ohne Halt. Fast jeder Ball, der hinten geklärt wurde, landete als langer Ball irgendwo weiter vorne – ohne Struktur, ohne Übersicht. Von hinten heraus kann der SCP kein vernünftiges Spiel aufbauen und dann fehlt im Mittelfeld die ordnende Hand und die Übersicht. Das war die Aufgabe von Amaury Bischoff, der in seiner derzeitigen Verfassung weit entfernt davon wäre, diese Rolle wieder auszufüllen. Vorne ist einzig Soufian Benyamina ein Lichtblick. Einer, der sich bewegt und sich anbietet. Aber konsequenterweise auch einer, dessen Zukunft in Münster mutmaßlich im Sommer wieder endet. Benyamina ist von Dynamo Dresden bekanntlich nur ausgeliehen. Und „Rocky“ Krohne, einer, den viele Fans immer wieder fordern, ist sichtlich nicht der Stürmer, der nachhaltig Einfluss nehmen kann. Schnelle Ballverarbeitung und Kurzpassspiel sind sichtlich nicht seine Stärken. Überraschend genug: Trotz seiner bisher per Kopf erzielten Tore ist der groß gewachsene Niederländer eigentlich nicht sonderlich kopfballstark. Aber Matthew Taylor ist eben auch keine Alternative (mehr). Zumindest aktuell stünde Taylor auf verlorenem Posten. Denn kaum ein Ball landet vernünftig bei ihm. Mit seinem früheren Sturmpartner „Dima“ Nazarov sah das anders aus – aber der kickt ja mittlerweile beim Karlsruher SC. Und das nicht schlecht…

Richtig ist: Nach völlig vergeigten 30 Minuten in Regensburg war der Platzverweis gegen Dominik Schmidt ein kleines Hallo-Wach! für das Team. Allzuviele Chancen ließ Münster ja gegen Regensburg fortan nicht zu. Pragmatisch und defensiv kontrolliert eben, genau das, was Trainer Ralf Loose offensichtlich erwartet. Aber auch in Unterzahl war das, was der SCP immerhin ablieferte, ein trauriges Spektakel. Für einen Punktgewinn kam der SCP eigentlich nur in Frage, weil es lange „nur“ 0:1 stand – und die Preußen damit wenigstens die Chance hatten, aus einem Standard oder durch einen Geistesblitz einen Treffer zu erzielen.

Wenn aber diese Minimalleistung aus Willen und Moral am Ende als aufmunterndes Zeichen durchgeht, steht es nicht allzu gut um den SCP. Glücklicherweise genügt das aktuelle Leistungsvermögen offenbar, um sich in der Liga gegenüber anderen Teams zu distanzieren. Besonders verlockende Aussichten für 2014/2015 sind aber nicht auszumachen.

Es ist schon bemerkenswert, wie wenig der SCP aus seinen oft gelobten Mitteln macht. Für einen Klub, der finanziell so sicher dasteht und dessen Etat im Liga-Vergleich wahrlich nicht der kleinste ist, bringt der SCP auffällig wenig Kraft auf den Platz. Nicht erst seit heute.

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